Einzylinder auf Reisen


Leicht, robust und extrem geländegängig – mit der Yamaha XT 500 begann 1976 die große Ära der Einzylinder als Reisemotorrad. Auch wenn die Singles angesichts immer stärkerer Mehrzylinder heute nur noch ein Nischendasein fristen...

...lohnen sie einen Blick für Menschen, die das Ursprüngliche am Motorradreisen schätzen (Text: Andreas Hülsmann).

BMW G 650 GS / Sertão (Mit einem Klick aufs Bild kommen Sie direkt zur passenden Seite im Online-Katalog)
HUSQVARNA TR 650 Terra

Ihre großen Zeiten haben die Einzylinder bereits hinter sich. In der breiten Masse des Zweirad-Angebotes, wo heute Leistung und Elektronik kaufentscheidende Merkmale sind, gehen diese ursprünglichen Bikes ein wenig unter. Hartnäckig hält sich auch der Irrglaube, so ein zierlicher Single sei den Strapazen langer Reisen nicht gewachsen. Gut gepflegte Einzylinder mit deutlich sechsstelligen Kilometerständen widerlegen dieses Vorurteil jedoch eindrucksvoll.


Sicherlich, eine BMW G 650 Sertão, Husqvarna Terra oder Yamaha Ténéré können der Kraft einer BMW R 1200 GS oder KTM 1190 Adventure nicht viel entgegensetzen. Doch gerade die Spitzenleistung hat auf den Pisten ferner Länder nur eine untergeordnete Bedeutung. Für entspanntes Reisetempo langen die 48 bis knapp 70 Pferdestärken moderner Einzylinder allemal. Selber Hand anlegen können, wenn es mal zwickt, auch ohne Diagnosegerät, das zählt abseits der Zivilisation.

Und auch das Gewicht ist kein zu unterschätzender Faktor. Das neue Flaggschiff des Marktführers, die BMW R 1200 GS, bringt es fahrfertig auf satte 238 Kilogramm. Im unwegsamen Gelände ist das ein ordentliches Stück Masse, das in die richtige Richtung bewegt werden will. Die XT 660 bringt dagegen nicht einmal 181 Kilogramm (fahrfertig) auf die Waage, wie auch die KTM 690. Ein beträchtlicher Unterschied, der abseits des Asphalts eine erhebliche wenn nicht gar für das Durchkommen entscheidende Erleichterung sein kann.


Last but not least ist es das Fahrwerk, das die meisten Einzylinder für abenteuerlustige Reisende interessant macht. So gut wie alle Singles haben zumindest ganz entfernt sportliche Wurzeln. Entsprechend lang fallen die Federwege aus. Das daraus resultierende Schluckvermögen auf unruhigem Untergrund und eine solide Bodenfreiheit sind gepaart mit geringem Gewicht und handlicher Geometrie Eigenschaften, die dem Fernreisenden flottes Vorankommen eher ermöglichen als eine fette Spitzenleistung.

KTM 690 Enduro/R
Yamaha XT660Z
Yamaha XT660R

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Darum lautet das Credo der Travel-Garde: »Simpel, leicht und sparsam«. Und genau das können Motorräder mit nur einem Zylinder auch heute noch bieten. Doch Single ist nicht gleich Single. Die zentrale Gemeinsamkeit der verschiedenen Modelle besteht darin, dass sie nur einen Zylinder haben. Vom Charakter her könnten sie unterschiedlicher kaum sein. So kommt die KTM 690 sehr sportlich daher. Das unterstreicht auch ihre Leistung von beachtlichen 67 Pferdestärken. Um diese freizusetzen, verlangt der Motor jedoch nach Drehzahl, was für Reisende nicht unbedingt optimal ist.


Ruhiger ist da schon die BMW G 650 GS Sertão mit solider und bewährter Technik. Ein Motorrad, das keinen großen Auftritt bietet, dafür aber Nehmerqualitäten hat. Die Husqvarna TR 650 Terra ist grob gesagt die sportliche Variante der Sertão. Zumindest wird sie durch den gleichen, nur geringfügig modifizierten Motor angetrieben – und der hat sich schon über ein Jahrzehnt bewährt. Das Motorrad schaut aber nach dem Verkauf von Husqvarna an eine Gesellschaft von KTM-Chef Stefan Pierer in eine ungewisse Zukunft.


Bleiben noch die Klassiker unter den Reise-Singles. Die Yamaha XT 660 R und die XT 660 Z Ténéré. Der Name Ténéré­ ist legendär. Bikes mit diesem Beinamen waren vor allem in den 1980er Jahren auf jedem Kontinent unterwegs. Die jüngste Auflage gibt es seit einigen Jahren sogar mit ABS. Leider wurden bei dieser an sich erfreulichen Aufrüstung die Federwege ordentlich gekappt. Etwas im Schatten der Ténéré steht die kleine Schwester XT 660 R. Zu Unrecht, denn die bewährte und robuste »R« fühlt sich auf nahezu jedem Untergrund wohl.


Bei allen positiven Eigenschaften: einen Single kaufen und einfach losfahren, das funktioniert nicht. Um damit mehr als eine Spritztour zu machen, bedarf es noch einiger Modifikationen. Für die fünf Singles BMW G 650 GS Sertão, Husqvarna TR 650 Terra, KTM 690 R, Yamaha XT 660 R und die Ténéré hat Touratech geeignete Komponenten entwickelt, die aus den robusten Bikes vollwertige Reisemotorräder machen.


Das größte Manko am Einzylinder sehen Reisende in der geringen Reichweite. Nur wenige Singles wie die Yamaha XT 600 Z Ténéré verfügen serienmäßig über ein angemessenes Tankvolumen. Als löbliche Ausnahme kann die Yamaha in der Grundausstattung auf einen 23-Liter-Tank verweisen, der ihr bei einem Durchschnittsverbrauch von vier Litern auf 100 Kilometer einen Aktionsradius von mehr als 500 Kilometern verschafft. Die BMW G 650 GS Sertão (14 l) und die KTM 690 (12 l) schaffen mit dem Serientank 320 (BMW) bzw. 218 Kilometer (KTM). Für Touren in Europa ist das sicher ausreichend, in einsameren Regionen jedoch zu wenig. Für diese beiden Modelle bietet Touratech Zusatztanks an, die die Reichweite erheblich vergrößern. Bei der BMW kann das Volumen auf 37 Liter aufgestockt werden, was bei einem Verbrauch von rund vier Litern pro 100 Kilometer eine Distanz von 900 Kilometern ohne Benzinversorgung erlaubt. Mit einem Zusatztank bringt es die KTM auf 26 Liter. Bei einem realistischen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern schafft die aufgerüstete Enduro aus Österreich damit eine Strecke von ungefähr 450 Kilometern ohne Tankstopp.


Wer größere Distanzen ohne Spritversorgung mit der Hus­qvarna TR 650 Terra (14-l-Tank) oder der Yamaha XT 660 R (15-l-Tank) zurücklegen will, der kann auf Kanister-Halterungen für die Alukoffer zurückgreifen. Jeweils ein Drei-Liter-Kanister kann mit der robusten Halterung sicher außen am Koffer verstaut werden. (vgl. Travel Time 1/2013, Seite 60).

Ganz entscheidend auf großen und kleinen Reisen ist die sichere und schwerpunktgünstige Unterbringung des Gepäcks. Daher bietet Touratech das Zega-Pro-Koffersystem auch für die hier vorgestellten Singles an. Die robusten Alukoffer sind wie geschaffen für das sportliche Reisen abseits befestigter Wege. Die Kofferträger sind modellspezifisch konstruiert und tragen den jeweiligen Besonderheiten der leichten Rahmenhecks Rechnung. Darüberhinaus bieten in Passform und Abmessung endurogerecht konzipierte Tankrucksäcke weitere Verstaumöglichkeiten.

Selbst die bereits ab Werk recht robusten Fahrwerke der Einzylinder-Enduros können bei Geländeeinsatz mit großem Gepäck oder im Zweipersonenbetrieb an ihre Grenzen kommen. Am Beginn jeder Fahrwerksoptimierung stehen progressive Gabelfedern, die die Durchschlagsicherheit ebenso wie das Ansprechverhalten verbessern.

Komplette Federbeine von Öhlins oder Touratech Suspension­ bieten einen deutlichen Zuwachs an Sicherheit und Komfort selbst im Expeditionseinsatz.
Mehr noch als andere Motorräder benötigen Einzylinder wegen des meist intendierten Offroadeinsatzes umfangreichen Schutz vor Beschädigungen. Unverzichtbar selbst bei einfachen Geländeetappen ist ein robuster Motorschutz, der das Leichtmetallgehäuse des Antriebs vor Beschädigung durch Steinschläge und Aufsetzer bewahrt.

Am Lenker schützen Protektoren die empfindlichen Armaturen ebenso wie die Hände des Fahrers. Je nach Modell empfehlen sich für anspruchsvolle Offroadreisen noch eine ganze Reihe weiterer Protektoren wie etwa Tankschutzbügel, Lampengitter, Rahmen- oder Krümmerschutz.

Ein erstaunliches Maß an Komfort lässt sich durch eine optimal geformte und gepolsterte Sitzbank, einen großen Windschild, Lenkererhöhungen und breite Fernreisefußrasten auch an Bord eines Singles erzielen.

Die Zutaten für den perfekten Reise-Eintopf gibt es im Touratech-Katalog oder unter shop.touratech.de        

Kategorie: Adventure | Travel

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