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05.04.2012

Von Betra in die weite Welt: Kati und Jens Witte berichten

Mit zwei BMW F 800 GS sind Kati und Jens Witte auf einer mehrjährigen Weltreise unterwegs. Hier berichten die beiden Motorrababenteurer von ihren Erlebnissen.

Südamerika - Richtung Norden in eine andere Welt

Wir verlassen Feuerland mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Landschaft hier hat uns gut gefallen, und doch freuen wir uns wieder auf steigende Temperaturen Richtung Norden. Außerdem gibt es dort noch viel für uns zu entdecken.

Leider konnten wir den berühmten Nationalpark Torres del Paine nicht besuchen, da weite Teile des Parks wegen eines Feuers gesperrt waren. Also steuern wir El Chalten an, um uns den nicht weniger beeindruckenden Fitz Roy anzusehen. Doch wie es so ist - das Wetter hat andere Pläne. Während unserer drei Tage auf dem Campingplatz am Fuße des Berges ist er immer wolkenverhangen. Das Wetter ist wechselhaft, stürmisch und kalt. Doch am Tag unserer Abreise bekommen wir doch noch unser Erinnerungsfoto.

Über die legendäre Routa 40 geht es in Argentinien entlang der Anden. Viele Horrorgeschichten haben wir bereits von anderen Reisenden über diesen Streckenabschnitt gehört, der auf rund 600 km Länge nicht asphaltiert ist. Wir tun uns daher schwer, unsere Tagesetappen zu planen. Doch der Untergrund ist besser als befürchtet. Die 800er werden zwar ordentlich durchgeschüttelt, doch alles verläuft gut. Am meisten macht uns der starke Seitenwind zu schaffen, der uns mit Böen von bis zu 100 Stundenkilometern über die Piste dirigiert. Auf der Strecke ist die Benzinversorgung eine weitere Herausforderung, denn es soll einige Tankstellen geben, die seit Monaten trocken sind. Dank unserer Zusatztanks können wir dem zum Glück ganz gelassen entgegen- sehen und schaffen es so immer bequem bis zur nächsten Zapfsäule.

Das nächste Highlight ist nicht weit, denn wir freuen uns schon seit einiger Zeit auf die Carretera Austral. Diese weitgehend unasphaltierte Strecke hat 1976 den Süden Chiles erschlossen, und wir wollen zumindest einen Teil davon erfahren. Nachdem wir rund um Coyhaique den Asphalt mit unzähligen Kurven genießen konnten, geht es Richtung Norden ausschließlich auf Gravel weiter. Die Landschaft ist atemberaubend und eine echte Abwechslung nach vielen Wochen in der baumlosen Pampa. Dichte Wälder bewachsen die Hänge unzähliger Berge, von denen viele noch immer schneebedeckt sind. Flüsse und Seen setzen leuchtend blaue Farbtupfer in die Gegend. Das Wetter ist kaiserlich. Endlich sind die Temperaturen in den dauerhaft zweistelligen Bereich gestiegen und die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Der Zustand der Piste ist gut, und über einen kleinen Pass schlängeln wir uns in vielen Serpentinen wieder bergab. Es herrscht  kaum Verkehr, bei Pausen hört man nichts als das Zwitschern der Vögel in den Wäldern ringsum.

Doch die Straße ist Richtung Norden nicht durchgängig, denn sie wird durch reichlich Wasser in der fjordähnlichen Landschaft unterbrochen. Daher geht es für uns ab Chaiten auf die Fähre, die uns nach Puerto Montt bringt. Wir bleiben einige Tage in der sogenannten Seenlandschaft und gönnen unseren durchgeschüttelten Gliedern einen Wellnesstag in den heißen Thermen rund um Pucon. Doch es ist uns zu touristisch hier, und daher zieht es uns weiter. Über kleine Nebenstrecken geht es noch einmal nach Valparaiso, wo im November unsere Südamerikareise begonnen hat. Mittlerweile haben die Motorräder schon wieder 10.000 km hinter sich gebracht und schreien nach einem Service. In der „Villa Kunterbunt“ wartet unser Care-Paket aus Deutschland auf uns mit einigen dringend benötigten Teilen. Nachdem wir unsere Wegbegleiter also mit frischem Öl, neuen Zündkerzen und Bremsbelägen versorgt haben, geht es weiter gen Norden. Wir wollen auf direktem Weg Peru ansteuern. Dazwischen liegen immerhin 3.000 km. Um schnell Strecke zu machen, begeben wir uns auf die Routa 5 - die PanAmericana. Die Strecke gehört sicher nicht zu den Hightlights eines Motorradfahrers, bringt uns aber schnell vorwärts. Einzig die Mautstationen stoppen uns regelmäßig, denn im Gegensatz zu allen anderen in Südamerika bereisten Ländern zahlen wir hier auch als Motorradfahrer für die Straßennutzung. Schnurgerade zieht sich das Asphaltband durch die immer karger werdende Landschaft - wir sind angekommen in der Atacama-Wüst, die immerhin als die trockenste Wüste der Welt gilt. Schwer vorstellbar, grenzt sie doch auch direkt an den Pazifischen Ozean. Doch im Regenschatten der Anden fällt hier so gut wie kein Niederschlag. Es soll Wetterstationen in der Atacama geben, die noch keinen einzigen Regentropfen vermelden konnten.

Kurz vor Antofagasta erreichen wir die berühmte Mano del Desierto - die Hand in der Wüste. Diese von Menschenhand geschaffene Skulptur ist ein Pflichtstopp. Wir haben Glück und sind mit einer chilenischen Familie die einzigen Besucher hier. Nachdem die obligatorischen Fotos gemacht wurden, erfüllen wir dem Junior der Familie natürlich noch gerne den Wunsch, ein Foto auf dem Motorrad zu bekommen.

Der eine oder andere Abstecher zum Sightseeing entlang des Wegs führt uns auf Salzpisten, die teilweise besser als Asphalt zu fahren sind. Die endlos scheinende Strecke hat fast etwas Meditatives. Wir können auf den unzähligen Kilometern auf der kurvenlosen Straße das Erlebte Revue passieren lassen. Gleichzeitig macht sich Vorfreude auf die vor uns liegenden Erlebnisse breit.

Mitte Februar reisen wir dann nach Peru ein. Es herrscht immer noch Regenzeit hier, und die soll laut Einheimischen in diesem Jahr besonders ausgiebig sein. Da sind wir ja mal wieder zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nachdem wir uns auf 2.400 m Höhe in Arequipa für einige Tage akklimatisiert haben, geht es weiter hinauf. Wir wollen den Colca-Canyon besuchen. Leider bekommen wir in Arequipa keine verlässlichen Informationen zu den Straßenzuständen vor Ort, nur von regelmäßigen Erdrutschen ist die Rede. Wir fahren also los, um uns unser eigenes Bild zu machen. Wir gewinnen unaufhörlich an Höhe. Auch den Motorrädern merkt man an, dass sie an Leistung verlieren. Doch auch wir plagen uns bei jeder Pause, und jeder Schritt lässt uns nach Luft ringen. Fast unbemerkt befahren wir auf dem Weg nach Chivay den höchsten Pass unserer bisherigen Reise - 4.890 m. An den Berghängen liegt noch Schnee, der dieses Mal zum Greifen nah ist. Doch bei knapp über Null Grad ist uns nicht nach einer weiteren Pause. Es regnet seit fast zwei Stunden und wir ahnen noch nicht, dass der Regenkombi unser stetiger Begleiter der nächsten Wochen in Peru sein wird. Wir suchen uns ein günstiges Hostel. Die Räume haben natürlich keine Heizung und draußen sind es gerade mal 3 Grad. Auch am nächsten Morgen regnet es noch immer. Die dunklen Wolken hängen tief in den Bergen, und so verabschieden wir uns vom Colca Canyon, dessen Einzigartigkeit wir bei diesem Wetter gar nicht erfassen könnten.  

Am Titicacasee wollen wir einen Zwischenstopp einlegen. Auf dem Weg dorthin bekommen wir in Juliaca wieder vor Augen geführt, was die Regenzeit mit den Straßen anrichten kann. Wo sich einst eine vierspurige asphaltierte Ortsdurchfahrt befand, müssen sich nun alle Verkehrsteilnehmer über eine matschige Schlaglochpiste wühlen. Der chaotische und wahnwitzige peruanische Fahrstil tut ein Übriges dazu, und so suchen wir uns hupend wie die anderen den besten Weg durch das Chaos.

Von Puno aus besuchen wir die schwimmenden Inseln Uros und reisen dann weiter nach Cusco. Wir gönnen uns ein paar Tage Auszeit in dieser Stadt mit ihrem entspannten Flair und den engen Gassen. Auf unzähligen Märkten werden Waren und Souvenirs angeboten und die Farbenvielfalt begeistert uns. Viele der Einheimischen sind auch in traditionelle farbenfrohe Stoffe gekleidet. Wir erleben die Peruaner als offenes und freundliches Volk und fühlen uns hier willkommen. Im Norton Rats - einer einschlägig bekannten Biker-Bar - finden wir die Hinterlassenschaften diverser Weltenbummler in Form von Aufklebern an der Eingangstür, und auch wir verewigen uns hier.  Dann geht es weiter ins Heilige Tal. In Ollantaytambo beziehen wir ein Zimmer. Es regnet noch immer jeden Tag. Doch wollen wir auch trotz des schlechten Wetters auf einen Besuch des Machu Picchu nicht verzichten und buchen unsere Tickets.

Gespannt und neugierig erreichen wir am nächsten Tag diese weltberühmte Inka-Stadt. Jeder hat wahrscheinlich schon einmal Bilder oder Filme von Machu Picchu gesehen - so auch wir. Doch nichts ist vergleichbar mit dem Moment, in dem man den ersten Blick über die Anlage schweifen lässt. Es ist einfach unbeschreiblich schön und definitiv eines unserer Südamerika-Highlights. Wir erkunden die Häuser, Terrassen und Brunnen einige Stunden lang und werden mit bestem Wetter belohnt. Schon früh am Vormittag verschwinden die Regensachen in den Rücksäcken und die Sonnenbrillen werden ausgepackt.

Wir kehren noch einmal nach Cusco zurück, um unsere Tour durch Bolivien nach Paraguay zu planen. Doch die Regenzeit hat viele Strecken in Bolivien unpassierbar gemacht. Schweren Herzens entscheiden wir, zunächst zurück nach Chile zu reisen, um von Süden her einen neuen Einreiseversuch nach Bolivien zu starten. Wir erleben also noch einmal einen Teil der Atacama-Wüste, die wir nach verheerenden Regenfällen sogar teilweise unter Wasser sehen. So kommt es, dass man auch in der trockensten Wüste der Welt mal mit Schlamm und Wasser bedeckte Streckenabschnitte findet - eine glitschige und seltene Angelegenheit.

Wir steuern San Pedro de Atacama an, um uns von hier aus bei den Touranbietern für den Salar de Uyuni nach den Pistenzuständen zu erkundigen - die sollten es schließlich wissen. Doch alles kommt anders. Eines der Motorräder macht Probleme. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um die Benzinzufuhr handeln muss. Unseren Campingplatz funktionieren wir also kurzerhand in eine Outdoor-Werkstatt um. Da nur zwei Teile in Frage kommen, tauschen wir eines davon zwischen den Motorrädern aus, um den Fehler einzugrenzen. Entsprechende fachliche Hintergrundinfos bekommen wir von unserem BMW-Händler im heimischen Schwarzwald geliefert. Schnell ist klar, dass wir ein Ersatzteil benötigen. Die Elektronik der Benzinpumpe hat irgendeine Macke und muss ausgetauscht werden. Die Suche nach dem nächsten Händler vernichtet die Bolivien-Pläne damit endgültig, denn wir haben 800 km bis zur argentinischen Stadt Tucuman vor uns. Wir bestellen das Teil per e-Mail und sind erleichtert, dass es auf Lager ist. Damit ist der nächste Streckenabschnitt klar. Über den Paso de Jama reisen wir erneut nach Argentinien ein und werden unterwegs von einer Schlechtwetterfront über den Bergen gestoppt. Wir warten zwei Stunden, bis sich das Schlimmste verzogen hat. Doch weit kommen wir nicht, denn ein massiver Erdrutsch hat die komplette Straße blockiert. Eine alternative Route gibt es nicht. Also drehen wir um und suchen uns einen Platz für die Nacht inmitten kleiner Sanddünen abseits der Straße. Am nächsten Morgen haben wir alle Hände voll zu tun, die vollbeladenen 800er über die sandige Strecke wieder auf festen Untergrund zu bringen. In der Nacht wurde die Straße weitestgehend wieder befahrbar gemacht und über matschige Abschnitte geht es zum ersehnten Ersatzteil beim örtlichen BMW-Händler.

Dann ist wieder Planung angesagt. Schon vor einiger Zeit mussten wir unseren Plan, von Südamerika nach Alaska zu fahren überarbeiten. Für die USA haben wir mehr als 3 Monate eingeplant, was die Beantragung eines B2-Visums erforderlich macht. Dies können wir jedoch nicht wie geplant von Mexiko aus erledigen. Auch in Argentinien oder Chile war es nicht möglich, den erforderlichen Interviewtermin bei der US-Botschaft zu erhalten. Statt nun die Motorräder später von Kolumbien nach Panama zu verschiffen, gehen sie nun auf den direkten Weg nach Canada. Von dort werden wir die Reise Richtung Süden fortsetzen. Für die verbleibenden drei Wochen bis zur Verschiffung schlagen wir „Kurs Ost“ ein und erreichen nach mehr als 1.000 km durch den flachen und unspektakulären argentinischen Chaco Paraguay.

Das Binnenland gilt als sehr korrupt und entsprechend angespannt erledigen wir vor Asuncion die Grenzformalitäten. Doch alles ist ganz relaxed. Auch der Polizist, der uns kurz vor Asuncion stoppt, interessiert sich nur für das Woher und Wohin, heißt uns in Paraguay willkommen und wünscht uns eine gute Reise. Auch auf dem Weg nach Asuncion bekommen wir im Stadtverkehr haufenweise „Daumen hoch“ entgegengestreckt und halten im Stau vor den roten Ampeln das eine oder andere Schwätzchen. In der Stadt entscheiden wir uns für ein Hotel mit sicherem Parkplatz, um uns am Folgetag ganz entspannt die Stadt ansehen zu können. Ausgerechnet hier kommt es zum ersten Diebstahl unserer Reise, denn in der Nacht hat jemand an beiden Motorrädern die vorderen linken Blinker abgesägt. Nach einer Beschwerde beim Manager starten wir trotz allem zu einem Bummel durch die Stadt. Die in Südamerika sehr verbreitete Kultur des Mate-Trinkens ist hier noch stärker ausgeprägt. Während in Argentinien und Chile vorwiegend Menschen auf Reisen mit einer kleinen Thermoskanne für den Nachschub an heißem Wasser unterwegs sind, sehen wir sehr viele Menschen in Paraguay mit riesigen Thermoskannen. Egal ob in der Stadt, der Werkstatt oder dem Supermarkt - der Mate-Becher ist immer dabei.

Nach zwei Tagen in Asuncion fahren wir über Ciudad del Este nach Brasilien. Dort wollen wir die berühmten Iguacu-Wasserfälle ansehen. Auf fast drei Kilometern Ausdehnung finden sich hier mehr als 250 verschieden große Wasserfälle. Mittendurch verläuft die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien. Beide Länder meinen natürlich, dass ihre Seite der Wasserfälle die schönere sei. Wir entscheiden uns jedoch, nur die brasilianische Seite zu besuchen, von der man den besten Gesamtüberblick haben soll. Wir werden nicht enttäuscht. Obwohl uns das schwül-heiße Wetter etwas zu schaffen macht, genießen wir den Tag. Ein Pfad führt zu verschiedenen Aussichtspunkten, die immer neue Ausblicke bieten. Ein Highlight ist natürlich der Weg zum sogenannten Teufelsschlund. Die Wassermassen donnern vor uns hinunter und die Gischt ist eine willkommene Abkühlung. Unser Campingplatz in der Nähe des Nationalparks ist für uns der beste der bisherigen Reise durch Südamerika. Daher fällt es nicht schwer, hier einige Tage Auszeit einzulegen. Einige Teile unseres Equipments schreien nach Pflege und wir haben noch eine Menge zu schreiben und recherchieren.

Dann steht der 2.600 km lange Rückweg an. Unser Ziel ist Valparaiso/Chile - der Hafen, von dem aus wir verschiffen werden. Die „Villa Kunterbunt“ ist der Treffpunkt für Südamerikareisende und wird für die letzte Woche in Südamerika noch einmal unser „Zuhause“. Hier werden wir die Motorräder vorbereiten, unser Gepäck für Container und Flug auseinander sortieren und unsere Website aktualisieren.
Dann kann das Abenteuer Canada starten, denn nach 15 Monaten verlassen wir die Südhalbkugel und reisen im Norden des Erdballs weiter.

Weitere Informationen und Bilder unter www.boomer.de

Das Video dazu findet Ihr hier.

 

Zum Jahreswechsel in Ushuaia

Quelle: Schwarzwälder Bote

Inzwischen sind Kati und Jens in Südamerika eingetroffen und haben den südlichsten Punkt ihrer Tour erreicht. "Weihnachten, einen Geburtstag und Silvester haben wir in Ushuaia verbracht. Es gab einiges zu feiern, die Gesellschaft dafür hätte nicht besser sein können", schreibt Jens. "Es war eine kleine Auszeit vom Unterwegssein und wir haben unser Geld statt in den Tank auf den Grill geworfen. Wir hatten eine tolle Zeit in Ushuaia, haben tolle Menschen kennen gelernt und werden den Jahreswechsel 2012 in guter Erinnerung behalten."

Über den Südamerika-Trip der beiden gibt es auch einen ausführlichen Bericht im Schwarzwälder Boten.

Neuseelands Südinsel - das schönste Ende der Welt?

Nachdem wir in Neuseeland angekommen waren und uns auf der Nordinsel einen ersten Eindruck verschafft haben, konnten wir es nicht abwarten, die Südinsel zu erfahren. Ab Wellington brachte uns die Fähre in rund drei Stunden über die Cook Strait auf die Nachbarinsel.

In Picton starten wir also unsere Tour über diese recht dünn besiedelte Insel. Nur rund eine Million der über vier Millionen Neuseeländer leben hier. Entlang der Ostküste geht es zunächst Richtung Süden. Linker Hand erstreckt sich das Meer, rechter Hand türmen sich die ersten Berge auf. In Kaikoura entscheiden wir uns für die Scenic Route durch das Landesinnere. Es geht durch eine satt grüne Hügellandschaft am Fuße der noch schneebedeckten Berge entlang. Hier beginnt gerade der Frühling. Wir haben uns bewusst für diese Jahreszeit entschieden, da jetzt nur wenige Touristen unterwegs sind. So haben wir die kurvigen Strecken fast für uns allein.

Die von Erdbeben zerstörte Stadt Christchurch liegt auf unserem weiteren Weg Richtung Süden. Unser GPS lotst uns quer durch die Stadt zu einem Campground an der Küste, zumindest versucht es das. Der gesamte Stadtkern ist seit den verheerenden Erdbeben gesperrt und wir folgen einer Umleitung nach der nächsten. Das ganze Gebiet um den Stadtkern wirkt wie eine Geisterstadt, lediglich einige Baufahrzeuge sind unterwegs und schaffen Schutt aus der Stadt, viele Gebäude dort sind einsturzgefährdet und werden nun abgerissen. Die Stadt strahlt eine traurige, fast schon depressive Stimmung auf uns aus. Kein Wunder, da es seit dem ersten großen Beben bereits über 7.000 Nachbeben gab. Die Einwohner müssen sich mit dieser unkalkulierbaren Gefahr arrangieren und jederzeit mit einem neuen großen Beben rechnen.

Für uns geht es weiter ins Landesinnere, die südlichen Alpen locken mit viel Natur und einer Berglandschaft, wie man sie von den europäischen Alpen kennt. Der wesentliche Unterschied ist jedoch schnell erkannt. Die neuseeländischen Alpen sind bei weitem nicht so dicht bebaut wie man es aus Europa kennt. Kilometerlang schlängeln sich die Straßen durch die Berge, ohne dass man eine Ortschaft passiert. An den Seen gibt in der Regel maximal einen Ort und jede Menge scheinbar unberührter Uferflächen - geradewegs eine Einladung, dort sein Zelt aufzustellen.

Von den asphaltierten Hauptrouten zweigen immer wieder unbefestigte Wege ab. Meist führen sie zu kleinen Orten oder Farmen in den Bergen. Oft sind es aber auch alte Tracks, die früher die Goldminen der Südinsel erschlossen - wie auch die Old Dunstan Road oder die Thompson George Road. Sie führen durch eine atemberaubende Landschaft. Die Strecken bieten für jeden Fahrer etwas, von gut geschotterten Wegen, die sich sanft über die Hügel und durch die Täler winden, bis hin zu echten 4WD Tracks. Tiefe Auswaschungen, Unmengen an Wasserdurchfahrten und steile Auf- und Abfahrten fordern der vollbeladenen Reiseenduro samt Fahrer einiges ab. Wer es noch wilder mag, kann sich auch auf Singletracks vergnügen, bei denen ein leichteres Motorrad allerdings auch für deutlich mehr Spaß sorgt. Doch egal wofür man sich entscheidet - fantastische Aussichten warten überall.

Queenstown, das Kitzbühl Neuseelands, lassen wir schnell hinter uns und machen uns auf den Weg nach Te Anau. Ab dort geht es in eine 120 km lange Sackgasse zum Milford Sound. Wieder durch eine scheinbar unberührte Natur windet sich die Straße bis zum Anlegesteg der Ausflugsdampfer. Selbst wenn man keinen Ausflug in den Milford Sound machen möchte,  lohnt sich dieser Abstecher.

An der Südküste erwartet uns dann eine raue Küstenlandschaft. Geprägt vom stetigen Südwind wachsen die Pflanzen hier nicht in die Höhe, sondern beugen sich dem Wind und wachsen Richtung Norden. Die vielen Buchten und kleine Straßen entlang der Küste begeistern uns - eine raue, aber liebenswerte Landschaft. Hier finden sich unzählige geniale Campingspots, solange man darauf achtet, sein Zelt windgeschützt aufzustellen. Sonst ist es mit der Nachtruhe schnell vorbei.
Zurück Richtung Norden geht es für uns an der Westküste entlang, vorbei an Gletschern und durch dichten Regenwald - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Westküste hat pro Jahr rund 7 m Niederschlag zu bieten. Entsprechend grün und dicht bewachsen ist es hier. Den Gletschern der Region fehlt es also nicht an Niederschlag, und so schieben sie sich bis auf 400 m über den Meeresspiegel hinab.

Verfahrenist so gut wie unmöglich, es führt nur eine Straße Richtung Norden. So kann man auch den Abzweig nach Westen kaum verpassen, dort geht es über den Arthurs Pass nach Christchurch. Für viele ein idealer Fluchtweg vor schlechtem Wetter an der Westküste. Die südlichen Alpen stoppen die meisten Wolken und lassen sie im Westen abregnen. So ist es möglich, mit etwas Glück auf nur wenigen Kilometern dem Regen zu entkommen. Aber der Arthurs Pass ist auch ohne Regen -  oder gerade dann -  ein absolutes Muss auf der Südinsel.  Bis auf 920 m Höhe führt die Strecke durch ein alpines Traumland mit schneebedeckten Gipfeln.

Für uns ging die Zeit auf der Südinsel viel zu schnell vorbei, es hätte noch viel zu entdecken gegeben. Wir wollten aber auch auf der Nordinsel noch einiges erfahren, bevor es für uns weiter nach Südamerika ging.

Tasmanien - Paradies für Motorradfahrer

Abstecher vom Asphalt sind in Australien jederzeit möglich und machen den Fahrtag erst interessant.
Die Wildgeese touren ebenfalls durch Tasmanien und bestaunen das Touratech-Zubehör.
Bei Nugent an der Westküste geht es auf Dirtroads durch die Back Run Hills.
Einsame und kurvige Straßen findet man in ganz Tasmanien.
Griffiger Asphalt sorgt für Onroad-Spaß.
Camp an der Nord-West-Küste.

Als Teil unserer mehrjährigen Motorradreise durfte in Australien natürlich auch ein Besuch des Insel-Bundesstaates Tasmanien nicht fehlen. Alle Australier waren sich in diesem Punkt einig: nirgendwo kann man in Australien besser Motorrad fahren. Und sie sollten Recht behalten…

 

Auf einer Fläche, die fast zweimal so groß ist wie die Schweiz, findet sich für jeden etwas: Kurven, Berge und Strände. Die Hauptverbindungsstraßen sind weitestgehend asphaltiert, Nebenstrecken aber oft noch Dirt- oder Gravel-Roads. Das Verkehrsaufkommen empfanden wir als angenehm ruhig, selbst wenn am Wochenende die Motorradfahrer aus Melbourne und Umgebung auf die Insel kommen, um zwei Tage Spaß zu haben.

 

Das tasmanische Wetter ist jedoch sehr wechselhaft und nicht selten erlebten wir hier vier Jahreszeiten an einem Tag. Besonders gefallen hat uns die unberührte Natur in den Nationalparks, die immerhin 40 Prozent  der Gesamtfläche ausmachen. Auf den unzähligen freien Campgrounds, die zum Teil in schönster Umgebung liegen, kann man sein Zelt gratis aufschlagen – und das Holz fürs Lagerfeuer gibt es manchmal sogar gleich dazu.

 

Reiseblog unter www.boomer.de

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