Daniel Rintz - Über Umwege bis nach Afrika


Vor mittlerweile schon zehn Jahren habe ich mich entschieden, mit dem Motorrad um die Welt zu fahren. Ich hatte dafür zwar das Budget nicht, aber ich wollte einfach los. Ich hatte die Idee, das Geld für die Reise mit Gelegenheitsjobs unterwegs zu verdienen. Viele dachten das sei verrückt und manche sprachen es auch aus. Als Touratech davon hörte sagten sie: "Cool, das finden wir gut!". Es war ein tolles Gefühl, dass es jemanden gab, der an mich glaubte.

Anfangs dachte ich, meine Reise wird zwei, vielleicht drei Jahre dauern. Am Ende dauerte sie sechs! Vieles hat sich verändert seit dem. Meine Sicht auf viele Ding, meine Prioritäten, die Anzahl meiner Freunde in dieser Welt, das meiste meines Equipments und ich fahre jetzt nichtmehr allein.

Ich habe über 200.000 km auf meinem Motorrad zurück gelegt und 99 Länder bereist. Es scheint mir nur fair von meinen Erlebnissen zu berichten. Am Ende des Tages will ich möglichst viele Menschen dazu inspirieren sich selbst auf den Weg zu machen. Denn ich hatte "the time of my life".
Mehr Geschichten kommen hier bald von Daniel Rintz (1200GS) und Josephine Flohr (R80GS).

- 2008 Europa, Nordafrika
- 2009 Mittlere Osten, Asien
- 2010 Südostasien, Ozeanien
- 2014 Nordamerika
- 2015 Zentralamerika
- 2016 Südamerika
- 2017 Afrika

 

WEBSITE DANIEL RINTZ

http://www.open-explorers.com

Carretera Austral

Neulich habe ich durch unsere Foto-Bibliothek gescrollt. Ich wurde gefragt, ein Foto rauszusuchen welches Motorradfahren am besten zusammenfasst. Meine unmittelbare Reaktion war - das ist unmöglich!

Josie und ich haben ungefähr 60.000 Fotos in unserem Reise-Foto-Katalog. Die Bilder sind über einen Zeitraum von sechs Jahren und auf sechs Kontinenten entstanden. Die Anzahl der Fotos und die verschiedenartigen Umstände, unter denen sie entstanden sind, zeigen, wie facettenreich Motorradfahren sein kann. Es müsste schon ein Hammer-Foto sein, welches wenigstens die wichtigsten Emotionen eines Motorradfahrers transportiert.

Es gibt ein paar Regionen, an die ich mich besonders gern erinnere. So suchte ich in Ordnern wie "Australien", "Nordindien", "Alaska", "Rocky Mountains", "Colombia"... Es ist immer ein tolles Gefühl, auf diese Weise in Erinnerungen zu schwelgen. Schlussendlich hing ich länger an unserem "Carretera Austral"-Ordner fest.

Für mich ist das eine magische Ecke in der Welt. Die Straße in Südchile führt durch unglaublich schöne Berglandschaften mit tollen Aussichten und vorbei an Seen, Flüssen und Fjorden. Ohne Karte kann man nie genau sagen, an welcher Art Gewässer man gerade entlangfährt. Die Landschaft lädt kontinuierlich dazu ein, Fotos zu machen, aber die Straße erinnert einen regelmäßig daran aufzupassen. Die Route hat viele Abschnitte mit Schotter und ist recht kurvig.

Obwohl ich mich niemals für eine Lieblingsroute entscheiden könnte, ist die Carretera Austral ganz weit oben auf meiner Liste. Ich würde sofort wieder hinfahren.

Die Kunst des Packens

Ich werde immer wieder gefragt, was ich eigentlich alles mitgenommen habe. Auf einer Weltreise braucht man ja vom Mückenspray für tropische Gebiete bis hin zur Daunenjacke in den hohen Bergen eingelich alles. Die richtigen Sachen mitzunehmen, ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Kunst. Die Herausforderung liegt darin, ausreichend Equipment dabei zu haben, um sich auch aus schwierigen Situationen allein wieder befreien zu können. Und die Kunst liegt darin, alles auf dem Motorrad unterzubringen.

In Gabon zum Beispiel gab es zwar drei verschiedene Routen, um nach Kamerun zu gelangen, aber alle führten ohne Asphalt durch den Dschungel. Wir entschieden uns natürlich für die am wenigsten schlechte Piste von den dreien. Trotzdem war es keine Leichtigkeit, auf dem schmierigen roten Matsch voranzukommen und drei Tage später wieder auf der anderen Seite des Busches rauszurutschen. Wir ließen uns auch von den vielen Lkw-Wracks am Strassenrand einschüchtern.

Wenn sich ein Trucker vor uns den Berg hochquälte, beobachteten wir ihn mit großem Sicherheitsabstand. Ungern würden wir 40 Tonnen rückwärts auf uns zurutschen sehen.
Während dieser Art von Abenteuern spürt man das Gewicht des eigenen Motorrads ganz deutlich. Es kann entscheidend dafür sein, ob man "durchkommt", oder umkehren muss. Weniger* ist mehr... (*Gepäck)

Wenn es z.B. um das Mitnehmen von Ersatzteilen und Werkzeugen fürs Motorrad geht habe ich folgende Regel für mich aufgestellt; ich habe nur das dabei, was ich brauche. um im Notfall wieder zurück zur Zivilisation zu kommen. Hier ein paar Beispiele:

- Ein paar Reifenpannen muss ich also auf jeden Fall reparieren können. Nach dem Motto:  „Ein Platten kommt selten allein“. Das Reifenflicken kann man auch vorher schon einmal ausprobieren. Dann merkt man, ob z.B. die neue Luftpumpe auch zwischen Nabe und Profil passt. Wenn man schlauchlos fährt, braucht man oft auch Pressluftkartuschen, um den Reifen wieder auf die Felge zu bekommen, usw...

- Es hilft, wenn man sein Motorrad kennt. Ich hatte ausschließlich die Werkzeuge für die Schraubengrößen, dabei die auch an meinem Motorrad verbaut sind. Die Schlüssel für die Schrauben, die ich im Busch sowieso nicht lösen würde (Getriebe, Kurbelwelle o.ä.), habe ich auch nicht mitgenommen.

- Wenn ich z.B. eine Feile oder eine Kneifzange am Multitool (Leatherman) habe, dann packe ich diese Werkzeuge nicht extra ein.

- Ich hatte auch keine Drehmomentschlüssel dabei. Viel zu sperrig und schwer! Klar will ich meine Zylinderköpfe mit dem richtigen Drehmoment anziehen. Das ist wichtig. Aber wenn ich im Busch eine Panne habe, dann reicht mir "fest". Besseres Werkzeug finde ich dann bei irgendeinem Mechaniker, meistens in den Hauptstädten fast aller Länder.

- Wenn ich der Verlockung nicht widerstehen kann, Loctite, WD40 oder ähnliches dabei zu haben, dann stelle ich sicher, dass ich es in einem ganz kleinen, leichten Gefäß aufbewahre und nicht die Originalpackung dabei habe.

- Niemals würde ich ein Reparatur-Handbuch mitnehmen. Das wird gescannt und als PDF aufs Smartphone geladen!

- Ich hatte auch kein Spezialwerkzeug dabei. Manchmal braucht man das, aber fast immer kann man sich auch anders helfen. Ich selbst habe schon einige gestandene BMW-Mechaniker gesehen, die statt zum Werkzeugschrank zu gehen, dann doch z.B. die reguläre Zange nehmen. Man sollte sich auf seinen Erfindungsreichtum verlassen.

- Kabelbinder und Duct Tape sind natürlich hilfreiche Begleiter.

Wo ist es am Schönsten?

 

"Welches ist Dein Lieblingsland?" werde ich oft gefragt. Das eine natürlich aufkommende Frage, das ist mir klar. Wenn ich mich mit einem Börsenmakler unterhalte, habe ich das Bedürfnis zu fragen in welche Aktie man gerade investieren sollte. Und ich handle nicht einmal mit Aktien. Natürlich verändern sich Länder weniger schnell als der Wert einer Aktie, aber in beiden Fällen ist es schwierig eine einfache Frage zu beantworten.

Jeder der Orte die ich bereisen durfte, hatte etwas Tolles zu bieten. Sehr lecker sind die Steaks in Buenos Aires, unvergesslich die Aussichten im Himalaja, beeindruckend ist die historische Architektur in Europa und charmant sind die immer-lächelnden Kambodschaner um nur ein paar wenige Beispiele zu nennen. Ich bevorzuge keine dieser Besonderheiten über anderen. Deswegen kann ich mich auch nicht für ein Lieblingsland entscheiden. Klar, für manche Orte kann ich mehr Haken auf meiner "Mag-ich-gern-Liste" machen als bei anderen, aber es gab kein Land in dem mir gar nichts gefiel.

Als ich in Bolivien unterwegs war habe ich mir bei anderen Reisenden Infos über die sogenannte "Lagunen-Route" eingeholt. Ich wollte diese Ecke der Welt erkunden, wusste aber, dass es nicht einfach ist durchzukommen. Ich hörte viele verschiedene Meinungen. Manche sagten, dass es einfach sei, sie hätten nur 2 Tage gebraucht, aber dafür war es den Umweg nicht wert. Es gäbe nur Steine, Sand und ein paar gleich-aussehende Vulkane. Andere sagten es sei die Härteste Strecke, die sie je gefahren sind. Sie brauchten 5 Tage und hatten am Ende fast kein Trinkwasser mehr. Dafür sahen sie Seen, die die Farbe des Wasser im Verlauf des Tages verändern, sie beobachteten Flamingos und fanden wunderschöne, fragile Blumen.

Es sind wohl eher persönliche Hintergründe und Vorlieben die bestimmen ob oder wie sehr man ein Land mag. Darum haben die Pyramiden von Ägypten, Machu Picchu in Peru und die Chinesische Mauer bei mir keinen so großen Eindruck hinterlassen wie man erwarten würde. Für die Welt weniger signifikante Dinge, wie eine bestimmte Begegnung mit einem Fremden zum Beispiel, haben dafür oft den Kurs meiner Reise, oder sogar meines Lebens verändert.

Kategorie: Adventure | Travel