Und ewig lockt die Linzer Torte


Auf einen „Verlängerten“ und ein Stück Linzertorte nach Linz – das war der Plan von Professor Michael Hoyer, den er mit der Ducati Multistrada Enduro realisierte.

Eine Motorradfahrt am Fluss regt zum Träumen an. Ganz besonders, wenn dieser Fluss Donau heißt. Auf der Brücke stehend und einem im Wasser treibenden Blatt nachsinnend, kann man mit seiner Vorstellungskraft durch verschiedene Gegenden fahren.

Die Donau verbindet. Über alle unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Lebensentwürfe hinweg findet ein steter Austausch statt. Ideen, Rohstoffe für Handwerker und Künstler und die fertigen Waren wandern am und auf dem Fluss. Legenden ranken sich um die Donau, Märchen und Sagen. Sie spiegeln die Bedeutung des Flusses für die Menschen ihrer Zeit wider.

Meine Reise entlang der Donau geht von Beuron bis ins österreichische Linz. Hierbei ist die Ducati 1200 Multistrada Enduro meine Reisebegleiterin. Sowohl auf den großen, perfekt ausgebauten Straßen und Autobahnen als auch auf kleinsten Feldwegen macht die „große italienische Mama“ einen hervorragenden Eindruck. Der Gedanke ist, einfach im frühen März auf einen „Verlängerten“ und ein Stück Linzer Torte zum Ursprung dieses köstlichen Gebäcks  zu fahren. Dabei muss ich ganz schön Strecke machen, denn ich habe nur knapp drei Tage für die Hin- und Rückfahrt Zeit.

Die Ducati Multistrada 1200 Enduro soll den sportlichen Anspruch der Marke nun auch auf unbefestigtes Gelände tragen: Mit überarbeitetem V2, feinster Elektronik und offroad tauglichem 19-Zoll-Fahrwerk. Da sind meine Erwartungen hoch.

277 Kilo sind kein Pappenstiel: Auf Anhieb nimmt der V2 die Arbeit auf, will zwar bei den wirklich kalten Morgentemperaturen von ca. fünf Grad Celsius etwas länger zur Arbeit gerufen werden, hustet sich anschließend auf den ersten Metern noch etwas frei, ist dann aber zur Stelle. In der Ducati Multistrada 1200 Enduro hat der Twin eine Stimmgewalt, die sehr beeindruckend ist. 152 Pferde sind bestimmt nicht zu wenig, und die treten auch alle in heißblütiger Form beim Drehen am Gasgriff zum Dienst an. Der unglaublich schmale Endschalldämpfer entlässt sattes Grummeln ins Freie. Und beim Gasaufziehen röhrt der Twin herzhaft in bester Superbike-Manier und weithin hörbar aus der Airbox.

Schnell ist man durch das Obere Donautal in Sigmaringen angekommen, um dann über die Bundestraße immer entlang der Donau nach Ulm zu gelangen. Bei der Fahrt über die Donaubrücke der hektische Blick auf den Tacho: Bereits bei der kleinsten Veränderung des Griffs am Gas galoppiert die Enduro in beherzter Manier nach vorn. Ich muss mich ganz schön beherrschen, bis ich auf der Autobahn in Richtung München den Pferden so richtig Auslauf gewähren kann.

Die Reiseenduro ist ein echtes Dickschiff. Das Tankvolumen beträgt 30 Liter und bei zügiger Fahrt kommt man auf knapp über sechs Liter Durchschnittsverbrauch. Auf der Autobahn schnurrt sie dann bei Tempo 200 vor sich hin und kann im Zweifel an Fahrt auch noch richtig zulegen. Natürlich benötigt kein Mensch im Gelände 152 PS – aber auf der Autobahn garantieren Sie lässiges Fahren. Selbst in Topspeed-Regionen und mit Koffern bleibt sie gelassen und strapaziert die Nerven nicht mit ungebührlicher Pendelneigung.

Die Koffer der Multistrada sind wie so einige Details an diesem Motorrad von Touratech. Ich fahre ja schon seit einigen Jahren mit verschiedenen Koffern onroad und offroad. Bei der Ducati sind die Schließen am Koffer so leicht und edel, dass ich selbige nie mehr missen möchte. Nachdem ich nun einige Kilometer im heißen Ritt über die Autobahn zurückgelegt habe, verlasse ich bei Alt-Ötting die Autobahn und schleiche wieder über kleinste Sträßchen in Richtung Passau, um bei Obernberg über die Donau zu fahren und österreichischen Boden unter meinen Pneus zu spüren.

Schnell ist man von hier aus bei einer echten Sehenswürdigkeit der Donau: Die Schlögener Schlinge ist eine Flussschlinge im oberen Donautal in Oberösterreich, etwa auf halbem Weg zwischen Passau und Linz (zwischen Stromkilometer 2180,5 und 2186,5 der Donau). Das südliche Ufer liegt in der Gemeinde Haibach ob der Donau und deren Ortsteil Schlögen, der der Schlinge den Namen verleiht.

Von hier aus ist es dann nur noch Katzensprung bis zur ehemaligen Kulturhauptstadt Linz. Hier schmeckt mir am späten Nachmittag und nach knapp 700 Kilometern der „Verlängerte“ (so heißt eine normale Tasse Kaffee in Österreich) mit einem Stück wunderbarer Linzertorte in einem Café direkt am Donauufer. Bis hierhin kann ich mich selbst nur beglückwünschen zu meinem Entschluss, mal schnell auf eine Tasse Kaffee nach Linz zu reisen.

Der nächste Tag sieht dann leider ganz anders aus. Das Thermometer ist noch einmal deutlich gefallen und in Linz fallen matschige Schneeflocken. Die Heimreise steht an. Nach einem kleinen Frühstück ziehe ich meinen Compañero-Anzug an, schließe alle Reißverschlüsse und ziehe den Helm auf. Noch vor ein paar Jahren wäre das ein Höllen-Heimritt geworden. Die bange Frage, ab wann der Dauerregen durch die Kleidung dringt, wäre bestimmt nach wenigen Kilometern negativ beantwortet gewesen. So gibt es nur einen kleinen Tankstopp bei München mit einer heißen Tasse Kaffee und nach sechs Stunden Fahrt parke ich die Multistrada – immer noch im strömenden Regen – in der Garage in Villingen-Schwenningen. Der Compañero war und ist dicht, und die italienische Mama hat auch im Regen eine perfekte Figur gemacht. Ich freue mich schon auf die nächste Fahrt mit der Multistrada, denn wie sie sich im Gelände verhält, das interessiert mich schon noch sehr…

Kategorie: Adventure | Travel