Vom Pazifik zum Atlantik


Seine letzten drei Wochen auf dem nordamerikanischen Kontinent verbrachte Heiko Gantenberg mit der Durchquerung der südlichen Vereinigten Staaten von West nach Ost. Hier schildert er seine Erlebnisse.

„Bei meinem Kumpel Rob in San Diego hatte ich das Lenkkopflager an meinem Motorrad gewechselt. Den ursprünglich vorgesehenen Wechsel der Kolbenringe an meinem Motor verwarfen wir nach einem weiteren Kompressionstest dann doch. Zu groß war das Risiko, dass die dafür georderten Ersatzteile aus Deutschland irgendwo im Bürokratiedschungel des amerikanischen Zolls hängengeblieben wären. Bei verspäteter Lieferung hätte ich mein Ziel im Osten der USA nicht mehr rechtzeitig erreichen können.

Also heißt es für mich, weiter mit gebremsten Schaum unterwegs zu sein; zu hoch ist inzwischen der Ölverbrauch bei hoher Drehzahl. Rund 4000 Kilometer liegen vor, mir als ich am Morgen des 22. Oktober San Diego bei strahlendem Sonnenschein in östlicher Richtung verlasse.

Im Sonnenuntergang desselben Tages rolle ich auf die mexikanische Grenze in der Nähe des „Organ Pipe Cactus“ Nationalmonuments, gelegen in der südöstlichen Ecke des Bundesstaates Arizona, zu. Selbst spät im Oktober sind die Temperaturen hier nachts noch angenehm mild. Ich rolle meine Matte und den Schlafsack in dieser Nacht auf einem Picknicktisch aus. Da es eh schon dunkel ist, habe ich keine Lust mehr, das Zelt aufzuschlagen. Meine Bequemlichkeit wird später mit einem uneingeschränkten Blick in den klaren Sternenhimmel belohnt. Die Luft in dieser Nacht ist so knochentrocken, dass im Morgengrauen nicht eine Spur von Tau auf meinem Schlafsack zu entdecken ist.

Die Wüstenlandschaft, die mich in diesem Teil Arizonas umgibt, ist eine völlig andere als in den Wüsten Kaliforniens, Nevadas oder Utahs. Diese Wüste ist zwar ähnlich trocken, allerdings hat sie eine andere, teils sehr üppige Vegetation. Nirgendwo in den USA wachsen die Säulenkakteen so üppig in den meist strahlend blauen Himmel wie hier im Süden Arizonas. Manche von ihnen höher als mehrstöckige Wohnhäuser. Diese Riesen stehen teils länger fest verwurzelt im roten Wüstenboden als Europäer hier siedeln.

Die Stämme, die diesen Teil Amerikas einst bewohnten, haben eine Geschichte, die weit über 10.000 Jahre zurückreicht. Noch heute sind viele Frauen der indigenen Bevölkerung in den Reservaten für ihre Flecht- und Töpferarbeiten bekannt. Ihre Körbe sind dermaßen genau gefertigt, dass man darin Wasser transportieren kann.

Immer wieder treffe ich in der Einsamkeit dieser einmaligen Landschaft auf Straßenbarrikaden der „Border Patrol“. Systematisch wird jedes Fahrzeug durchsucht, das von Mexico kommt oder dorthin will. Die Beamten in den grünen Uniformen, die in schweren Geländewagen unterwegs sind, tun ihr Bestes, Tausende verlorener Seelen in der Weite und Einsamkeit der Sonora-Wüste zu finden. Viele der Glücksritter, die irgendwo auf US-amerikanischem Boden sich selbst überlassen von Schlepperbanden abgesetzt werden, würden dort draußen elendig verdursten. Die Trinkwasservorräte, um diesen Marsch bis in „sicheres“ Gebiet fortzusetzen, könnte niemand tragen.

Über den „Kitt Peak“, den Berg mit den meisten Observatorien der Welt, geht es für mich weiter in Richtung Osten. Ein Gewitter rollt auf den etwa 2.500 Meter hohen Berg zu, während ich mich auf ihm aufhalte - ein gewaltiges Schauspiel und eine willkommene Abkühlung.

In der Nähe des kleinen Örtchens „Patagonia“ gibt es unweit der Grenzstadt „Nogales“ einen See, an dem ich vor vielen Jahren schon mal gezeltet habe. Ich finde diesen Ort genauso schön, wie ich ihn in Erinnerung hatte, und genieße einige Tage am Seeufer. Die Wassertemperaturen Ende Oktober laden immer noch zum Schwimmen ein.

Bei einem Tagesausflug nach Nogales staune ich, dass die Grenze zu Mexico, die durch diese Stadt führt, inzwischen der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze arg ähnelt. Der Grenzzaun,  der die Stadt durchzieht, ist höher als die Berliner Mauer es war. Die Stadt ist voll von Grenzschutzbeamten die trotz der gewaltigen Schutzmaßnahmen alle paar Meter Wache schieben.

Ich setze meine Reise nach Osten fort und folge von Nogales bis zur Grenze des Bundesstaates New Mexico auf kleinen Schotterpisten dem Grenzverlauf zum Nachbarland Mexico. Immer wieder treffe ich auf diesem Weg Grenzschützer, die teils getarnt auf der Lauer liegen. Unterstützt von modernster Ortungstechnologie, Hubschraubern mit Wärmebildkameras, Drohnen und kleinen Allrad-Fahrzeugen versuchen sie alles, um den nie endenden Strom von Menschen, die aus Lateinamerika in die USA drängen, einzudämmen.

Ich frage einen der Beamten nach dem Weg in dem Labyrinth aus Pisten und Pfaden, in dem ich seit Stunden unterwegs bin. Wir kommen ins Gespräch, und er ist interessiert an meinen Erfahrungen in der vom Islam geprägten Welt. Der Mann mit mexikanischen Wurzeln ist nach seiner Zeit bei der US-Armee bei den Grenzschützern gelandet. Er nickt zustimmend, als ich von überwiegend positiven Begegnungen mit den Menschen im Iran oder Pakistan berichte.

Ich möchte wissen, was er von den Plänen Donald Trumps hält, eine Mauer zum Nachbarn Mexiko zu errichten. Kopfschüttelnd schaut der Beamte in die Weite der Wüste um uns und fragt, was das ändern würde. Die meisten der Menschen, die ich hier draußen finde, haben nichts mehr zu verlieren. Sie wurden mehrfach von den Kriminellen ausgeraubt, die sie hier ausgesetzt haben, meist haben sie nichts, zu dem sie zurückkehren können. Allein in diesem County, in dem dieser Beamte seinen Dienst schiebt, schaffen es trotz der unermüdlichen Anstrengungen rund 1500 Menschen jeden Monat, durch die Maschen der Überwachung zu schlüpfen - allein in diesem Bezirk.

Der Mann in der grünen Uniform zeigt zur Grenze, die nur wenige Kilometer vor uns entfernt in einem weiten Tal verläuft: „Selbst eine Mauer bis zum Mond wird sie nicht hindern, hierher zu kommen. Allein eine bessere Politik kann die Bedingungen der Menschen in ihren Herkunftsländern verbessern und davon abhalten, sich auf den Weg in das für sie gelobte Land zu machen“, fügt der Grenzschützer hinzu. Und dann die Verlogenheit bei der illegalen Beschäftigung der Millionen von Menschen, die für Billiglohn sämtliche Ernten dieses Landes einfahren… Mein Gesprächspartner wird zunehmend wütender und meint, es sei erbärmlich, wie weit wir im Jahr 2016 davon entfernt seien, die Welt zusammen zu bringen…

Er ist verbittert über die Sinnlosigkeit seiner Arbeit hier draußen und über die Verlogenheit eines Systems, das allein den Menschen, die er auffinden muss, die Verantwortung gibt für ihre Odyssee und den Versuch - koste es was es wolle - einen der begehrten Jobs zu bekommen, bei dem sie dann für einen Bruchteil des geltenden Mindestlohns völlig der Gier ihres modernen Sklaventreibers ausgeliefert sind. Dieser wiederum, so ereifert er sich weiter, werde nicht verfolgt und die Bank, die die Schecks mit dem Lohn der Illegalen eintausche und ihnen ihren Hungerlohn aushändige, belange auch niemand…

Mein Gesprächspartner lässt Dampf ab. Ich schüttele ihm zum Abschied die Hand und bekräftige ihn darin, auch weiter sein Hirn zu benutzen. Ich betone, dass ich sehr froh bin, einen Grenzschutzbeamten getroffen zu haben, der seine Menschlichkeit offenbar nicht aufgegeben hat.

Nachdenklich überquere ich eine Stunde später den „Montezuma Pass“ und schaue hinab in die weite Landschaft und fernen Berge, die sich in östlicher und westlicher Richtung ausbreiten. Vor mir geht der Blick weit hinein nach Mexico. Kaum jemand lebt in diesem Teil der Sonora-Wüste, durch den von 1540 bis 1542 die Coronado-Expedition zog. Bei dieser Expedition, geführt von Spaniern und als Helfer rekrutierten Azteken, kam es zu ersten Kontakte der indigenen Bevölkerung des Südwestens der USA und des Nordwestens Mexikos, die schon damals meist zu den Ungunsten der Ureinwohner verliefen…

Eigentlich bin ich auf dem Weg nach New Mexico und kann mir keine Abstecher mehr erlauben. Als ich aber auf dem Highway 80 in Richtung Rodeo unterwegs bin, kann ich meinen Blick von der atemberaubenden Kulisse der Chiricahua-Berge zu meiner Rechten nicht abwenden.
Gesteinsformationen wie diese habe ich noch nirgendwo auf der Welt gesehen. Eine Welt aus Säulen, bis in die Höhenlagen dicht bewachsenen steilen Bergen, riesigen Höhlen und das alles in einem Farbspektrum von Rot, Gelb bis Grellgrün… Ich traue meinen Augen kaum und kehre New Mexico zunächst mal den Rücken, um mir dieses Naturjuwel näher anzuschauen.

Am Ende sind es drei Tage, an denen ich dieses geologisch außergewöhnliche Gebiet bei schönen Herbstfarben und mildem Wetter erkunde. Auf Pisten gelange ich zu Orten wie „Paradise“ oder „Portal“, die jeweils nur von einer Handvoll Menschen bevölkert sind. Hier in den etwas höheren Lagen herrscht selbst im Sommer angenehmes Klima zwischen den riesigen alten Blaueichen, die weite Teile der Täler mit ihrem mächtigen Astwerk überwachsen.

Mitten im Nichts treffe ich zwei Cowboys. Einer von Ihnen - auf einem kleinen Pony - ist erst vier Jahre alt. Die Körperhaltung des Kindes auf seinem Pferd und die rauen Hände, die die Zügel und ein Lasso fest im Griff haben, verraten den jungen Profi. Sein Großvater, der bei ihm ist, erklärt, dass dies der beste Helfer sei, der zurzeit mit ihm auf der Ranch arbeite.

Stolz guckt der kleine kurz unter der breiten Krempe seines Hutes vor. Ich erfahre, dass er mit den anderen Kindern auf der Ranch von den Müttern unterrichtet wird. Hier draußen kommt kein Schulbus. Ein Funkspruch ruft die beiden Cowboys ins Tal. Wie im Western tippen sie kurz an den Hut und verschwinden zwischen Büschen und Eichen, um die Rinder, die zu ihrer Herde gehören, zusammenzutreiben.

Die Zeit drängt allmählich auf meinem Weg nach Osten, sodass ich schweren Herzens die zerklüftete Bergwelt verlasse und mich in Richtung New Mexico aufmache. Ich befürchte, dass Landschaften von nun an weniger spektakulär ausfallen werden. Die Landkarten, die ich in den vergangenen Tagen studiert habe, kündigen es an. Zwei mittlere Gebirgszüge durchquere ich noch auf meinem Weg durch New Mexico, dann wird die Landschaft zunehmend flacher.

Eine Nacht verbringe ich in einem kleinen Motel in Columbus, New Mexico, nur 5 km von der mexikanischen Grenze entfernt gelegen. Columbus ist der Ort, in dem die USA das letzte Mal auf dem Boden angegriffen wurden. Vor 100 Jahren überfiel der mexikanische Bandit „Pancho Villa“ mit etwa 400 Männern den Ort. Die Attacke endete nicht gut für die Angreifer. Ihre karge Beute rechtfertigte die hohen Verluste und Gefangenen auf ihrer Seite in keiner Weise.

Martha, Inhaberin meiner Unterkunft in Columbus, ist neugierig, als ich einchecke. Woher, wohin, warum, möchte sie wissen. Wir plaudern über eine Stunde am Tresen ihrer kleinen Rezeption und landen natürlich beim Thema Präsidentschaftswahl.

Am kommenden Vormittag erreiche ich El Paso. Ein befreundeter Tätowierer, Orlando Rodriguez, hat mich eingeladen, ein paar Tage in seinem Studio zu verbringen, außerdem wollen wir einen Ausflug in die Mexikanische Nachbarstadt Juarez unternehmen. Am Ende werde ich froh sein, diesen Ausflug nach Mexico mit Orlando und seiner Familie im Auto zu unternehmen und nicht auf dem eigenen Motorrad.

Wir genießen bei unserem Aufenthalt beim mexikanischen Nachbarn erstklassiges Essen und bunte Märkte. Ich fühle mich auf Anhieb wohl im bunten Trubel von Juarez. Die Menschen wirken natürlicher, überhaupt sehe ich seit langem mal wieder größere Mengen an Menschen auf den Plätzen und Straßen der Stadt. In den USA bewegen sich die meisten Bürger überwiegend im klimatisierten Auto. Bei der Wiedereinreise in die USA am späten Nachmittag werde ich aus dem Auto meiner Freunde gebeten.

Ein Beamter hat das Iran-Visum in meinem Pass entdeckt und entscheidet deshalb, mich genauer durch seine verspiegelte Brille zu betrachten. Von den meisten anderen Ländern in meinem Pass hat er noch nie etwas gehört, wahrscheinlich hat er auch nicht den geringsten Schimmer, wo sie auf diesem Planeten zu finden sind… egal. Iran hat er entdeckt, und der Iran sei ein Feind der USA, erklärt er mir mit erhobenem Finger. Mein Hinweis, dass das zehn Jahre gültige Visum für die USA ein Jahr nach dem Stempel des Iran in meinen Pass gekommen sei und somit die ausstellenden US-Behörden sehr wohl informiert gewesen seien, dass ich den Iran besucht habe und sie wohl keine Bedenken deswegen hatten, interessiert ihn nicht. „Auf geht’s,  Freundchen…“

Der Beamte führt mich ab zur genaueren Untersuchung. Diese beinhaltet, mit gespreizten Beinen an der Wand zu stehen und und und… Nach eineinhalb Stunden schaut ein älterer Grenzschützer kopfschüttelnd durch meinen Pass, blickt zu mir rüber und fragt, warum ich hier sitze?! Ich kann seine Frage nur mit einem Schulterzucken beantworten. Der Mann geleitet mich zu den wartenden Freunden und ich darf gehen. Ich bin froh, hier nicht auch noch die Einreise meines Motorrads erklären zu müssen.

Ab El Paso ist die Landschaft für die kommenden 700 km wenig abwechslungsreich. Selbst Anfang November ist es hier im Süden von Texas noch ziemlich heiß. Ich fahre an diesem Tag über tausend Kilometer, um meinem nächsten Ziel, New Orleans in Louisiana, ein anständiges Stück näher zu kommen. Zum ersten Mal auf dieser Reise fahre ich nun ausschließlich auf Autobahnen, und es gefällt mir überhaupt nicht. Wegen des erhöhten Ölverbrauchs meines Motorrads bin ich nur mit 100 km/h unterwegs. Den ganzen Weg werde ich ständig von riesigen Lkw mit erheblich höherer Geschwindigkeit überholt. Alle paar Kilometer sieht man riesige Reifenteile am Fahrbahnrand oder mitten auf der Straße liegen. Lkws, die mit 130km/h durch die Wüste jagen, platzt halt gelegentlich auch mal ein Reifen. Mir ist jedes Mal unwohl, wenn einer der Kolosse an mir vorbeizieht. Die Vorstellung, einen platzenden Lkw-Reifen plötzlich vor meinem Vorderrad zu finden, behagt mir gar nicht.

Spät am Abend erreiche ich „La Grange“, die Kleinstadt in Texas, die von ZZ Top in den Achtzigern ruhmreich besungen wurde. Am Mittag des kommenden Tages rollt der „Weiße Elefant“ mit mir bei schönstem Wetter durch die Straßen von New Orleans.

Nach stundenlangem Suchen nach einer bezahlbaren Unterkunft im „French Quarter“ und dem „Garden District“ , den schönsten Vierteln in New Orleans, gebe ich auf und miete mich für drei Nächte in einem billigen Motel etwas außerhalb ein. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln besuche ich manche Attraktion in New Orleans und ich bin froh, die Stadt und ihre Bewohner aus dieser recht ehrlichen Perspektive und nicht nur durch die immer positive Touristenbrille zu erleben.

Die Vororte, die immer noch deutliche Spuren des vor elf  Jahren dort tobenden Hurrikans „Katrina“  tragen, sind zum Teil in einem erbarmungswürdigen Zustand. Einzig das hochmoderne Bankenviertel in der Innenstadt glänzt mit modernen Straßen und Gehwegen. Die Solidarität der Wohlhabenden im Zentrum der Stadt ging offenbar über eine Selbsthilfe zur Wiederherstellung des alten und neuen Glanzes des Finanzzentrums nicht hinaus. Viele der nicht so gut situierten Nachbarn in den nicht vom Tourismus frequentierten Vierteln schauen offenbar auch über ein Jahrzehnt nach der Katastrophe immer noch in die Röhre.

Ich besuche das French Quarter einige Male und bin nicht wirklich begeistert. Die Wucherpreise für alles, was dort angeboten wird, sind oft unverschämt. Horden von Betrunkenen – und das oft schon ab 10 Uhr morgens – helfen mir nicht, ein besseres Bild von New Orleans zu bekommen. Einzig die zahllosen Straßenmusiker, die teils mit Riesentalent an vielen Orten der Stadt ihr Können demonstrieren, begeistern mich wirklich.

Von New Orleans an die Ostküste

Meine letzte Etappe in den USA steht an. In Atlanta finde ich nach langem Suchen eine Frachtfirma, die nicht versucht, mich zu betrügen. Alle Angebote, die ich in den Monaten zuvor eingeholt hatte, um den „Weißen Elefanten“ per Luftfracht zurück nach Europa zu bekommen, waren unverschämt. Selbst Firmen, die in einschlägigen Reiseforen empfohlen werden, entpuppten sich teils als gnadenlose Betrüger. Am Ende lande ich wieder bei der weltweit agierenden Frachtfirma „Mainfreight“, die bereits im März die Fracht von Neuseeland in die USA  mich organisiert hatte.

Einige Tage bleiben mir noch, bevor ich in der Lagerhalle der Frachtfirma eine Transportkiste zimmern muss, und die verbringe ich am Atlantischen Ozean im kleinen Küstenörtchen Tybee, etwa 30 Kilometer außerhalb von Savannah gelegen. Savannah überzeugt mit wunderschöner Architektur und interessanter Stadtgeschichte.

Mitte November finde ich eine günstige Unterkunft in der Nähe des gewaltigen Flughafens von Atlanta und beginne mit den Vorbereitungen der letzten Fracht meiner Reise. Zu Glück bin ich zeitig dran, denn bei der geplanten Zollabfertigung erlebe ich ein weiteres Mal die Willkür eines amerikanischen Bundesbeamten. Mein Carnet des Passages, das durch den US-amerikanischen Zoll zur temporären Einfuhr meines Motorrads Monate zuvor ungewöhnlicher Weise genutzt wurde und im Folgeverlauf meiner Reise von vier weiteren US-Grenzstationen ohne Murren gestempelt wurde, ist plötzlich ungeeignet.

Richtig ist, dass ein Carnet in den USA unüblich und nicht gültig ist. Es wird aber offenbar, wie in meinem Fall, gern genutzt, weil alle Fahrzeugdaten in den beim Zoll verbleibenden Belegen bereits eingetragen sind und somit weniger Schreibarbeit ansteht. Der für mich zuständige Zöllner in Atlanta hat aber kein Interesse, mir den letzten Stempel, der zur Ausreise nötig ist, zu geben. Meine Fragen, welche Dokumente ich ihm den bringen könnte, um einen Export zu realisieren, beantwortet er mit:  „Mir doch egal.“ Und um mich wirklich dumm da stehen zu lassen, schließt er noch das Fenster, durch das er mich beraten hat, und verschwindet.

Es folgen einige Tage des Bangens, und es sieht schon danach aus, dass der bereits gebuchte und bezahlte Rückflug nach Europa scheitern könnte. Die Crew von Mainfreight in Atlanta, selbst schockiert von der Sturheit des Beamten, lässt aber nicht locker und deklariert mein Motorrad und das Gepäck aufwendig als persönliche Gegenstände. Nun sind dem Sturrkopf die Hände gebunden und er muss den Export gestatten.

Mein letztes Überseekapitel dieser Reise endet in Atlanta, von dort fliegt der „Weiße Elefant“ einige Tage vor mir nach London. Ich habe ein Drittel der Gesamtstrecke meiner Reise in Nordamerika zurückgelegt. In den USA habe ich folgende Staaten besucht, manche nur einige Stunden, manche habe ich auf tausenden Kilometern genau erforscht:  Kalifornien, Oregon, Idaho, Wyoming, Montana, Washington, Utah, Nevada, Arizona, Alaska, New Mexico, Texas, Louisiana, Missisippi, Alabama, Georgia und South Carolina. In Kanada habe ich die Provinzen Britsch Kolumbien, Alberta, Yukon und die Northern Territories besucht."

Vielen Dank für Euer bisheriges Interesse!

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Kategorie: Adventure | Travel