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Details
In 248 Tagen einmal um die Welt: Neuer Beitrag
14 Motorradfahrer aus Europa und Übersee sowie das vierköpfige Betreuerteam von GlobeBusters aus England unternehmen unter der Regie von Edelweiß Bike Travel die längste Motorradreise, die je angeboten wurde: Auf 5 Kontinenten geht es über 64.000 Kilometer 8 Monate lang einmal um unsere Erde!
6500 Kilometer durch das Reich der Mitte
Werner Wachter berichtet über die Motorrad-Expedition "Unsere Erde"
Es dauert zwar noch ein bisschen, aber wir alle haben das Gefühl, schon jetzt in der Zielgeraden zu sein. Schon am 25. Juli werden wir in Untermieming, Tirol einlaufen.
LAOS – EIN TRAUM FÜR MOTORRADFAHRER UND FOTOGRAFEN
Ja, die Armut der Bauern auf dem Land ist evident. Da besteht schon ein gravierender Unterschied zwischen Thailand und Laos. Aber für uns sind die kleinen Dörfer aus Holz, Bambus und Stroh eine Offenbarung, wie das einfache Leben auf diesem Planeten auch heute noch funktioniert! Hier auf dem Land scheinen alle wirklich Selbstversorger zu sein: Nahrung, Kleidung, Häuser, Hütten – alles wird in Eigenregie hergestellt. Es sieht so aus, als ob die Frauen mehr arbeiten als die Männer. Es ist ganz einfach ein tolles Gefühl in einem Dorf – einer Gruppe von Hütten – anzuhalten und mit den Kindern und Müttern „Kommunikation“ zu betreiben. Am Anfang schwierig, die Kinder sind sich nicht sicher, was da für einer stehen geblieben ist. Aber bald lockert es sich auf und am Ende lachen alle laut, wenn der fremde Mann fremde Leute anstößt und die Buben auf dem Motorrad probesitzen.
Ist dieses einfache Leben der „Laoten“ wirklich minderwertiger und schlechter als das unsere in Europa? Den Eindruck haben wir nicht. Es scheint viel gelassener und entspannter zu sein. Es wäre toll, wenn es so bleiben könnte, aber auch in den kleinsten Dörfern sieht man schon manche Antennen auf den Dächern der Holzhütten und auch „Internet-Cafés“. Handys werden ebenfalls immer häufiger. Selbst kleine Kinder sitzen am Straßenrand und telefonieren oder schauen ins Internet. Die Technologie des "Westens" und damit auch das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem hält Einzug. Schön, dass wir noch das traditionelle Laos erleben durften!
6.500 KILOMETER DURCH CHINA – NICHT NUR DIE GRÖSSE IST ÜBERWÄLTIGEND
Schon an der Grenze Laos/China sehen wir die Bedeutung Chinas für unsere Welt. Es ist alles gewaltig, was auf uns zukommt: Das goldene Eingangstor, die Verwaltungsgebäude, die Methoden der Grenzformalitäten sind anders als bei den vielen Grenzen, die wir bisher überschritten haben. Bei der Passkontrolle sind wir in zwei Reihen aufgestellt, die absolut gerade verlaufen müssen. Schon nach wenigen Kilometern auf der Straße wissen wir, dass der Verkehr für uns hier chinesisch ist.
MOTORRADFAHREN IM CHINESISCHEN VERKEHR
Es muss wohl eine Verkehrsordnung geben hier in diesem Land, und wir erahnen diese schon am ersten Tag:
- Die Größe des Fahrzeuges ist entschieden dafür, wer das Recht auf freie Fahrt hat.
- Motorräder sind in dieser Rangordnung ziemlich weit am unteren Ende. Es sind Fahrzeuge, die langsam sind und auszuweichen haben.
Rückspiegel werden nicht benutzt. - Spurwechsel sind je nach Verkehrsaufkommen notwendig und werden ohne Warnung plötzlich vorgenommen. Manchmal nach links oder nach rechts, eine ganze, halbe oder gleich zwei Fahrspuren.
- Abbiegen von der Hauptstraße nach links erfolgt meist ohne Blinker und auch im dichten Verkehr.
- Der Verkehr ist dicht, besonders in den Großstädten, und besteht aus Schwerlastern, Baumaschinen, Motorrädern mit drei oder zwei Rädern mit elektronischem Antrieb oder durch Benzinmotoren, Fahrrädern, Fußgängern, Kindern, Rindern, Schafen, Hühnern, Hunden, Katzen, Pferden, Ziegen und in den Bergen Yaks und Steinböcken.
- Die Straßen sind gewaltigen Unterschieden unterworfen. Von achtspurigen Autobahnen, bis zu einspurigen Schotter- und Lehmstraßen. Der Wechsel zwischen diesen Gattungen erfolgt oft und mitunter ohne Vorwarnung.
- Konsequenz: Es ist ratsam, stets konzentriert zu fahren und alle Verkehrsteilnehmer zu beobachten sowie ihre möglichen Verhaltensweisen zu antizipieren. So kann man dann einigermaßen sicher unterwegs sein. Bis auf eine Ausnahme haben wir das auch geschafft.
CHINESISCHE LANDSCHAFTEN UND LANDWIRTSCHAFTEN
Im Süden und Westen sind die Landschaften von vielen Gebirgszügen geprägt. Auch schöne Hügellandschaften ziehen an uns vorbei. Wir sehen die traditionelle Anbauweise für Reis, Kartoffeln, Mais und Getreide sowohl in der Ebene als auch im Gebirge. Es scheint, dass hier jeder Quadratmeter Boden für die Nahrungserzeugung genutzt wird. Dies erfolgt sowohl im kleinen Rahmen für jede Familie getrennt als auch auf riesigen Flächen, die wohl immer noch Kolchosen-Charakter haben. So scheint es zumindest von der Straße aus.
Riesige Kolonnen von Mähdreschern fahren auf Fernstraßen dahin, um die Getreideernte auch in entfernten Gebieten zu erledigen. Oder der Gegensatz: Frauen und Kinder pflanzen den Reis in kleinsten Reisfeldern von Hand, so wie wir es seit Jahrhunderten kennen. Es ist auch erstaunlich, wie diese kleinen Reisfelder auf steilsten Berghängen angelegt sind. Man sieht, dass hier viel Arbeit von Nöten ist, um auch bescheidene Ernten sicherzustellen. Diese Bandbreite ist nicht nur in der Landwirtschaft, sondern in vielen anderen Wirtschaftszweigen präsent. Die Entwicklung dieses Landes zur weltweiten Führungsmacht in der Weltwirtschaft ist unübersehbar.
GRENZENLOSER AUTOBAHNBANN
Die „Expressways“ in China sind all überall im Entstehen. Hier wird mit modernster Technik gebaut und mit atemberaubender Geschwindigkeit. In Gebieten mit Flüssen, Hügeln und Bergen verlaufen diese Expressways fast ausnahmslos auf „Stelzen“. 5 bis 50 Meter über dem Boden oder durch den Berg im Tunnel. Dieser Autobahn-Way ist ein Synonym für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Chinas: Riesige Projekte werden in kürzester Zeit durchgezogen. Es ist beeindruckend und besorgniserregend zugleich.
Motorradfahrer dürfen grundsätzlich nicht auf diese Autobahnen. Nur dort, wo die normale Straße in die Baustelle einbezogen wird, können wir auf die neue Autobahn. Wenn wir dann doch von der Polizei gestoppt werden, empfiehlt es sich, mit den Beamten deutsch zu sprechen. Dann kann man nach kurzer Mandarin/Deutsch-Konversation oft bald weiterfahren.
SIND DIE CHINESEN FREUNDLICHE MENSCHEN?
Die Antwort ist eindeutig: ja! Wir fahren oft allein oder auch in kleinen Gruppen von 2, 3 oder 4 Motorrädern. Wir schätzen das Abenteuer der chinesischen Küche, die von den chinesischen Restaurants in Europa oder Amerika weit entfernt ist. So sind die Stopps zum Mittagessen in irgendeinem Dorf entlang der Strecke immer ein freudiger Anlass zu rasten, zu beobachten, zu kommunizieren, zu essen und zu trinken und zu lachen. Da kann es schon vorkommen, dass wir dann am Rande der Straße eins der zahllosen Restaurants auswählen, bei den sich sowohl die Küche als auch die Essplätze im Freien befinden. Die Handzeichen in Töpfe und auf die Teller der schon Speisenden sind die beste Methode, das Gewünschte auf den Teller zu bekommen. Schon im Rahmen dieses Unterfangens versammeln sich immer mehr der Bewohner um unseren Tisch und sprechen mit uns und wir mit ihnen in mehrschichtigen Kommunikationstechniken. Das Lachen ist eine wichtige davon.
Die Motorräder werden zum Probesitzen hergenommen. Alle wollen wissen, wie schnell, wie teuer. Die Antworten werden mit Staunen registriert. Und auf die Tische kommen immer neue Speisen und Getränke, die meist wirklich gut schmecken. Die Neugierigen werden immer mehr und wir werden immer satter und freuen uns über die ausgelassene Stimmung unseres „Publikums“. Dann die Frage nach der Rechnung. Die Wirtin und ihre hübsche Tochter lachen uns an und schütteln nur den Kopf. Wir sind eingeladen? Aber das geht doch nicht! Doch, lacht die Wirtin und alle um sie herum. Wir lachen am Ende alle, freuen uns über dieses Entgegenkommen und können es kaum glauben.
SIND DIE CHINESEN KOMMUNISTEN?
Ja und nein! Viele der Strukturen sind natürlich immer noch von den Kommunisten beherrscht. Immerhin gibt es die chinesische kommunistische Partei seit 90 Jahren. Wir dürfen bei diesem Jubiläum mitfeiern. Aber vieles, was wir sehen, ist westlichen Ursprungs. Audi, Porsche, Mercedes, BMW, Buick, Chevrolet und sogar Bentley sind keine Fremdwörter. Diese Autos sind häufig auf den Straßen zu sehen. Die Shopping Malls sind riesig und luxuriös. Gucci, Dior, Arden, North Face, Adidas, Swarovski. Es gibt die oberste Gesellschaftsklasse, die nicht sehr groß ist. Vielleicht der Menschen können sich all das leisten.
Die Mittelschicht wächst. Es ist alles im rasenden Wandel begriffen. Man spürt, dass der „Konsumerismus“ die 1,6 Milliarden immer mehr erobert. Es gibt natürlich auch viele, viele sehr arme Chinesen. Auch das ist vom Motorrad aus leicht zu erkennen. Es werden Städte von mehr als einer Million Einwohnern aus dem Boden gestampft, dort wo vor 20 Jahren noch ein kleines Bauerndorf war. Wir werden sehen, wie das weitergeht, aber hier ist wirklich alles in Bewegung.
SIND KONFUZIUS, DER ISLAM UND BUDDHA LEBENDIG?
Ja, auf alle Fälle. Die Tempel der 1.000 Buddhas sind eine Attraktion für viele Besucher. Die Gedenkstätten an Konfuzius sind beeindruckend. Selbst neue, riesige Moscheen entstehen im Nordwesten Chinas. Das war vor 10 Jahren noch nicht so. Aber ein Besuch der Terracotta-Soldaten in Xian in Verbindung mit dem dort untergebrachten Archäologischen Museum für ganz China zeigt die Vielfalt und Tiefe der chinesischen Kultur, die der unseren viele Tausende von Jahren weit voraus war.
Es scheint logisch zu akzeptieren, dass die Chinesen diesen Fundus an Kenntnissen und Fähigkeiten jetzt dazu benutzen, den Westen in seinem System recht zügig einzuholen. Das ist so der Eindruck, der in unserer Gruppe, in den vergangenen Wochen entstanden ist. Das Motorradfahren hilft dabei, dies recht schnell zu erkennen – so meinen wir!
DER NÄCHSTE UND LETZTE BERICHT
Wir sind jetzt in Kasachstan. Russland, die Ukraine, die Slowakei und das Ziel in Österreich liegen direkt vor uns. Wir freuen uns!
Stay tuned!
Durch Australien und den Norden Thailands
Ein halbes Jahr ist rum, und wir haben Teile von Südeuropa, Westafrika, Süd-, Mittel- und Nordamerika, Australien und jetzt Thailand befahren und erlebt. Noch haben wir zwei Monate durch Asien vor uns, aber wir können jetzt schon sehen, dass diese Expedition bei allen Teilnehmern neue Denkprozesse ausgelöst hat. Die vergangenen vier Wochen durch Australien und den Norden Thailands haben uns extreme Gegensätze erfahren lassen.
AUSTRALIEN UND THAILAND – GERADEAUS UND KURVENORGIEN
Der Verlauf der Straßen und die vorbeiziehenden Landschaften sind Synonyme für die Gegensätze dieser beiden Länder. Das weite Australian Outback und die Berge und tropische Vegetation im Norden Thailands. Der Herbst im Süden Australiens und die einsetzende Regenzeit im australischen Frühling. Die Bevölkerungsdichte im australischen Westen entspricht etwa einem Prozent derthailändischen. Geschichte und Kultur sind in Thailand durch Tempel und Ausgrabungen seit Jahrtausenden dokumentiert, im Aussie-Land scheint alles ganz frisch und neu zu sein. Und all das sollen wir in 4 Wochen inhalieren und verarbeiten? Not easy! Viele von uns denken: Hierhin muss ich noch einmal zurück, um mehr Zeit zu haben.
AUSTRALIA OUT WEST
Nach dem Ayers Rock ging es fast immer geradeaus nach Norden und dann nach Westen. Das riesige Land gehört auch heute noch zu einem großen Teil den Aborigines. Unsere Rasse hat die wirtschaftlich interessanten Teile „geleast“. Meist für 99 Jahre. Riesige Bodenschätze haben sich in den vergangenen Jahrzehnten im Norden und Westen aufgetan. Hier wird Bergbau betrieben wie kaum anderswo. Metalle, Edelmetalle und Mineralien, die für die Halbleitertechnik notwendig sind. Wir bemerken diesen Bergbau, sobald die Road-Trains uns entgege kommen. Ausweichen ist hier angesagt und zwar schnell! Noch interessanter wird es, wenn eine Reihe von Road Trains zu überholen ist. Die längsten sind immerhin 54 Meter lang. Eine große Einschätzung ergibt, dass es in der Gruppe etwa 6.000 solche Überholfvorgänge gegeben hat – alles gut gegangen!
Hier draußen ist dann die Nacht wirklich finster – man kann die Milchstraße so sehen wie kaum irgendwo in Europa. Zum vollen Genuss dieses Erlebnisses eignet sich das Australische „Swag“! Eine Matratze, ein Schlafsack und bei Regen ein Zelt in einem. Eine Nacht im Swag ganz weit weg von künstlichen Lichtquellen bringt manchen von uns neue Erleuchtungen aus dem Universum. Etwa alle 80 Kilometer säumt ein sogenanntes Road House den Weg. Hier gibt’s Treibstoff, Essen und meist auch einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Auch ein Erlebnis, zusammen mit den Fernfahrern einen Abend zu verbringen.
Weiter im Westen eröffnet sich dann die Küste des Indischen Ozeans. Ein Rasttag in Coral Bay ist einer der Höhepunkte. Die Strände außerhalb der Orte sind menschenleer. 10 Kilometer Fußmarsch sind ein Genuss, nachdem wir in Australien bald 10.000 Kilometer auf dem Moped zurückgelegt haben. Und dann nur noch die Brandung am Korallenriff weit draußen und alle halbe Stunden ein kurzer Tauchgang um zu sehen, ob Fische und Korallen immer noch da sind. Doch Monkey Mia wartet noch am nächsten Tag. Hier sind die Delphine daran gewöhnt, jeden Tag gefüttert zu werden. Mann/Frau kann da ganz nah dabei sein und manchmal sogar mit diesen Fischen in einer Gruppe schwimmen.
Am Ende der australischen Etappe sieht man in Perth, dass Australien boomt! Die Stadt mit 1,3 Millionen Aussies ist attraktiv von der Lage her. Aber auch die Bausubstanz offenbart den Reichtum, der hauptsächlich vom Bergbau und Fischfang kommt. Eine Radtour an der Küste nach Freemantle zeigt Hunderte, nein Tausende von Villen, in denen nur Millionäre wohnen können.
MIT DEM MOTORRAD VON PERTH NACH BANGKOK
Es ist schwierig, diese Strecke mit unseren Zweirädern per Achse zu meistern. Wie schon von Malaga nach Buenos Aires, von Bogota nach Panama City und von Los Angeles nach Sydney steigen wir in den Flieger und unsere Motorräder auch. Ein Prozedere, dass bei einer Gruppe von 20 Leuten und 18 Motorrädern einiges an Vorbereitungen erfordert: Flugscheine, Frachtbriefe, Zollabfertigung, Internationale Fahrzeugbriefe, Führerscheine, Befestigung auf Paletten, saubere Mopeds und dann die Ausfuhr aus Australien sowie die Einfuhr nach Thailand. Die Gruppe hat schon Erfahrung mit diesem Part der Expedition. Trotzdem werden Nerven und Gemüter gefordert, wenn man vier Tage damit verbringt, die Motorräder in Perth auf den Weg zu bringen und dann wieder dem Frachtflughafen in Bangkok zu entlocken. Aber wir schaffen es auch hier, und die meisten Helden der Landstraße reden auch danach noch miteinander.
BANGKOK HAT NUR 12 MILLIONEN EINWOHNER
Es ist ein Erlebnis, vom Flughafen ins Hotel zu fahren. Nach einer Stunde versteht man, was für eine riesige Metropole diese Stadt ist. Nach dem Flughafen tauchen bald die ersten Wolkenkratzer auf, und wir glauben, im Stadtzentrum zu sein. Weit gefehlt - es gibt deren in Bangkok 10-15! Also Teile der Stadt, die aufgrund der 20- bis 60-stöckigen Gebäude wie das Zentrum aussehen! Dazwischen viele alte, traditionelle Häuser aus Pfählen, Holzbrettern und Stroh- und Schindeldächern, dicht an dicht mit Bürohäusern, die in den Himmel ragen.
Der Chao-Phra-Ya Fluss und die vielen Kanäle prägen das Bild des Zentrums. Viele Paläste und Tempel säumen den Fluss und wir nutzen die zwei Tage des Wartens auf die Motorräder, diese Kulturdenkmäler genauer zu beäugen. Der Königspalast und seine Tempelanlagen und der liegende Buddha (44 Meter lang!) beeindrucken gigantisch. Und natürlich auch die Bootsfahrten entlang des Flusses und durch die schwimmenden Märkte. Wir sehen eine Kultur, die eine sehr lange Geschichte hat und sich in vielen Dingen von der unseren unterscheidet. Aber auch, dass die Entwicklung der letzten 40 Jahre deutlich in Richtung westliche Industriegesellschaft geht. Ist das gut so?
Die Motorräder vom Flughafen zum Service zu bringen, ist unsere erste Berührung mit dem City-Traffic. Es ist ganz lustig, mit den zahllosen Mopeds bei Rotlicht zwischen den Autos nach vorn zur Ampel zu driften. Das Verkehrssystem Bangkoks funktioniert aber ganz anders als in Europa!
THAILANDS NORDEN
Nach fünf Tagen Bangkok sind wir ungeduldig, Land zu gewinnen. Wir fahren als Gruppe von 18 Motorrädern vom Zentrum aus 50 Kilometer nach Norden. An Kreuzungen, Abzweigungen, bleibt der zweite Fahrer stehen und wartet auf den Rest, um sich dann am Ende der Gruppe wieder einzuordnen. Dieses System haben wir schon ein paarmal genutzt. Aber hier geht es in die Hose. Zu viele Autos, Mopeds, Laster, Busse die nach dem hiesigen System fahren. An der Tankstelle, wo wir dann wieder zusammenkommen, treffen vier getrennte Gruppen ein, alle innerhalb von 30 Minuten. Alle sind wir erleichtert, dass ab hier wieder freies Fahren angesagt ist wie auf den meisten Strecken. Halleluja!
Unsere thailändischen Guides versprechen uns, dass der Norden das Motorradland schlechthin ist. Und sie behalten Recht. Ab Tak wird es kurvig bis hinauf zum Goldenen Dreieck, dem Grenzpunkt zwischen Thailand, Laos und Myanmar – früher Burma genannt. An einem Tag gibt es die Straße der 1.826 Kurven und wir meistern sie alle. Entlang der Route sind immer wieder Gebirgszüge und Passstraßen bis zu einer Höhe von 1.400 Meter. Nicht sehr hoch, aber Kurve an Kurve. Die Temperatur unserer Körper und Motoren steigt auch auf ungeahnte Höhen, da die Luft uns bis zu 38 °C vorgibt.
Als wir die Grenze zu Myanmar erreichen, erfahren wir mehr über die Probleme von Thailand und dem ehemaligen Burma. Die Diktatur im Nachbarland führt dazu, dass es viele Flüchtlinge gibt, die über den Grenzfluss nach Thailand schwimmen und in großen Lagern „verwahrt“ werden. Thailand möchte diese Flüchtlinge nicht aufnehmen. Die UNO ist gefordert, oder wir, die westliche Welt. Nach einigen tausend Kurven sind wir also jetzt am Mekong und am Goldenen Dreieck und rasten nach fünf anstrengenden Fahrtagen. Hier war das Zentrum des Opiumhandels angesiedelt, für mehrere Jahrzehnte. Immer noch? Das ist hier die Frage. Ein Besuch im Opium-Museum wird sie hoffentlich beantworten.
DER NÄCHSTE BERICHT
Laos und China stehen auf dem Programm. Wir sind neugierig.
Stay tuned!
Von Mexiko bis Australien

- Ayers Rock - die Motorräder spüren, dass sie an einem besonderen Punkt dieses Planeten sind.

- Great Ocean Road: eine Kurve jagt die nächste.

- Great Lobsters - die Hummer sind riesig in Größe und Geschmack.

- Die Küstenstraße begeistert immer wieder. Die Felsformationen sind vom Motorrad aus zu sehen.

- Die Gruppe hat Sydney erreicht. Manche besuchen die Oper, aber ohne Motorrad.

- Wir sind angekommen - Uluru ist etwas ganz Besonderes.
Wir sind jetzt 5 Monate unterwegs und es ist ein ganzer Regenbogen von Landschaften, Routen, Fahrerlebnissen, Kulturen und Gesellschaftsstrukturen die in den letzten 30 Tagen an uns vorbeizogen: Der Norden Mexikos, Kalifornien in den USA und die östliche Hälfte von Australien!
MEXIKOS NORDEN
Ein riesiges Land präsentiert sich im Norden anders als im Süden. Hier scheint es in der Gesellschaft etwas rauer zuzugehen. Sichtbar an den vielen Polizisten und Militärs, die sich entlang der Straße schwer bewaffnet präsentieren. Die „Drogenmafia“ hat hier in manchen Gegenden das Sagen. Ein Hotelbesitzer mit Schweizer Abstammung berichtet über einen Mord an einem seiner Freunde und ganz nebenbei, dass dieser sein Schicksal geteilt hat mit 35.000 anderen innerhalb der letzten zwei Jahre. Als Polizeichef einer kleinen Stadt im Norden Mexikos lebt Mann/Frau also äußerst gefährlich. Aber es gibt natürlich auch ganz andere positive Eindrücke die wir von diesem Teil unserer Reise mit nach Hause mitnehmen: Zum Beispiel das Copper Canyon, wie die Nordamerikaner diese riesige Schlucht nennen. Unter amerikanischen Bikern ein Off-Road Ziel, das man erlebt haben muss. Wir fahren entlang der Südost Kante und genießen den Ausblick in die Schlucht, die größer, tiefer und länger ist als das Grand Canyon in den USA. Der Off-Road Bereich beginnt, wenn Mann/Frau hinunter in die Schlucht fährt. Ich kann der Versuchung nicht widerstehen und biege links ab. Am Anfang recht zivil aber dann doch immer steiler und grobstolliger präsentiert sich der Pfad. Um unser Tagesziel doch noch zu erreichen kehre ich nach 10 km um. Das nächste Mal möchte ich ganz hinunter fahren.
HOLLYWOOD, MALIBU, VENICE BEACH
Nach dem wir die USA erreicht hatten ging es direkt in die Traumwelt von Hollywood. Für 10 Tage konnten wir ohne unsere Motorräder den Süden Kaliforniens genießen während die Zweiräder durch Zoll und Reinheitskontrolle gingen um dann die Flugreise nach Sydney anzutreten. Was für ein Unterschied zwischen Zentralamerika und Santa Monica!
Da gibt es viel zu berichten: Als erstes hinterlässt der Kraftverkehr im Großgebiet von Los Angeles bleibende Eindrücke. Er rollt und dann kriecht er und dann stoppt er und rastet. Die Einwohner dieser Gegend scheinen das als gottgegeben zu akzeptieren. Man stelle sich einmal vor jeden Tag 2 Stunden oder mehr in die Firma zu fahren und zu kriechen und oft stehen zu bleiben. Manche machen das mit ihrem Porsche, Jaguar oder Ferrari. Andere, die in dieser Hinsicht fortschrittlicher denken, wenn auch gefährlicher leben fahren Honda, Suzuki, Harley, Kawasaki, Yamaha, BMW, Ducati. Sie dürfen laut Straßenverkehrsordnung zwischen den parkenden Autos hindurchfahren. Splitting Lanes nennen die Kalifornier dies. Dadurch kann die tägliche Fahrzeit manchmal halbiert werden aber manchmal öffnet sich auch eine Tür eines stillstehenden Mercedes oder Chevrolets!
Wer den amerikanischen Traum hautnah erleben will sollte Hollywood nicht versäumen. Immerhin haben Marilyn Monroe, James Dean, Frank Sinatra, Jane Mausfield und auch Ron Hubbard dort ihre Denkmäler errichten lassen. Es ist also ein Ort, der dazu betragen kann amerika zu verstehen.
Die Fahrt entlang der Küste von Santa Monica und Malibu ist wunderschön besonders in einem großen Cadillac. Das Surfbrett sollte man mit dabei haben. Es ist ganz einfach schön es einmal zu probieren. Es gibt auch ein Hotel in Venice Beach mit dem Namen Cadillac. Dort kann man hautnah erleben, was die Leute hier tun, was wichtig ist und was trendy ist. Man atmet also die Zukunft unserer Gesellschaft unverfälscht ein.
Mann/Frau sieht auch, dass zwischen der Situation im Norden Mexikos und in Venice Beach ein gewisser Zusammenhang besteht. Diejenigen die hier bei Temperaturen von 8 °C am Stand schlafen, haben möglicherweise Produkte, die in Mittelamerika gewachsen sind und über Mexiko an die Kalifornier verkauft wurden, am Vorabend im Übermaß genossen. Da könnte es ein sehr kaltes Erwachen geben – nicht nur für die „Strandschläfer!“.
AUSTRALIENS SÜDEN UND ZENTRUM
Nach 10 Tagen LA freuen wir uns auf Sydney. Aber immerhin liegen da 14 Stunden Flug dazwischen. Eine gute Möglichkeit diese Zeit etwas abzukürzen ist der Film „Australia“ mit Nicole Kidman. Viele Aspekte der australischen Geschichte werden darin lebendig. Man lernt, dass Australien englisch ist bis zum heutigen Tag und dass die Australier anders sind als die Engländer. Das bestätigt sich auch in den Wochen nach unserer Ankunft. Wer von Sydney nicht begeistert ist, dem kann man nicht helfen. Der Hafen, die Baybridge, die Oper, die vielen Strände, die englischen Parks, die alten englisch aussehenden Stadtviertel, die vielen Wasserarme und Wege, der gut funktionierende Schiffs- und Bootsverkehr – all das zeigt dass es auch so funktionieren kann. Zur Arbeit vom gegenüberliegenden Ufer in 10 Minuten mit herrlichem Blick auf das Meer und Sydney. Nicht allen ist das vergönnt aber vielen! Alle in der Gruppe waren angetan von Sydney und das will was heißen. Das Foto mit der Oper im Hintergrund zeigt dieses Gefühl!
Nach 5 Tagen in dieser Stadt werden wir aber unruhig und wollen hinaus ins Outback. Das sieht zuerst einmal ziemlich verkehrsreich aus entlang der Küste bis Bega. Dann wird’s aber interessant für den Motorradfahrer. Die Snowy Mountain Road könnte auch in den Alpen sein. Kurve reiht sich an Kurve. Endlich wieder dieses Gefühl zu genießen gefällt allen. Im Alpine National Park entdecken wir einen Ort mit dem Namen Tyrolean Village. Es werden wohl die eingewanderten Schilehrer gewesen sein die hier zuerst bauten. Um den höchsten Berg Australiens den Mt. Kasciwszko geht es zu wie in St. Anton oder Kitzbühel. Und das Motorradfahren auf sehr schmalen Schlangenkurven lässt unseren Puls etwas ansteigen.
Aber noch hat der Süden Australiens mehr zu bieten: Die legendäre Great Ocean Road südöstlich von Melbourne. Eine der attraktivsten Motorradstraßen auf diesem Planeten. Wir haben sie genossen. Und weiter geht es zur nächsten Perle Australiens: das Barossa Tal. Hier gibt es viele und sehr gute Winzer. Viele von ihnen stammen aus Deutschland. Ende des 19. Jahrhunderts wanderten sie aus, weil der Kaiser nur eine Lutherische Kirche dulden wollte. Noch heute kann man in Tarrunda 3 verschiedene Religionsgemeinschaften zählen die alle diesem Umstand zu verdanken sind.
Weingüter mit dem Namen Steingarten und Blick ins Tal erzeugen hervorragenden Merlot, Cabernet Sauvignon, Shirac sowie Chardonnay und Riesling. Wir nutzen die Gelegenheit an unserem Rasttag in Tarrunda. Nach dem Genuss des Weines sind wir neugierig auf das Outback und das Zentrum des 5. Kontinents: Ayers Rock, oder wie die Aborigines sagen Uluru haben wir im Visier. Es sind 3 Tage, die wir brauchen um vom Barossa Tal bis nach Uluru zu kommen. Es geht geradeaus. Immerhin legen wir an diesen 3 Tagen knapp 2.000 km zurück, Zeit zum Meditieren aber auch Konzentration ist von Nöten.
Die Rinder betrachten die Straße als ihren Boden, die Kängurus springen am liebsten knapp vor dem Vorderrad über die Straße, die Road-Trains sind über 60 m lang. Da muss mit Power überholt werden. Angelika aus Bayern erlegt auch ein Känguru das ihr bei einbrechender Dunkelheit von der Seite reinläuft. Sie stürzt aber kann trotz einiger Blessuren weiterfahren. Wir sind froh, dass es glimpflich verlaufen ist, meiden die Dämmerung soweit wie möglich. Unsere Ankunft am Ayers Rock ist etwas ganz besonderes, das fühlt die ganze Gruppe. Ein Tag beim Uluru ist ein Höhepunkt den alle genießen und die Bilder belegen dies!
DER NÄCHSTE BERICHT
Australien hat noch viel zu bieten: Den Kakadu Nationalpark im Norden – Schwimmen in Seen und Flüssen nicht empfohlen, die Alligatoren warten. Dann im Nordwesten entlang des Indischen Ozeans warten die Korallen und Delphine auf uns bevor wir von Perth nach Bangkok fliegen. Von dort nach Mieming in Tirol sind es dann mit noch 20.000 km!
Stay tuned!
In 248 Tagen einmal um die Welt - 3. Etappe
Ja, wenn man eine Reise tut… Wir sind jetzt über 3 Monate unterwegs. Da lernt man sich kennen! Das Team ist gut drauf und hat in diesen 100 Tagen viel erlebt und manche schwierige Situation gemeistert. Dieser Bericht schildert unsere Expedition durch Argentinien, Chile, Bolivien und Peru. Da gibt es natürlich Gemeinsamkeiten, aber auch viele markante Unterschiede. Aus westlicher Sicht scheint Chile das am weitesten „fortgeschrittene“ Land zu sein. Besondern Santiago beeindruckt durch ein Stadtbild, das durchaus in Europa angesiedelt sein könnte. Die Polizei agiert ähnlich wie bei uns, ohne die Option der persönlichen Zahlung an den Polizisten, die in den anderen Ländern hier immer wieder angeboten wird. Die Straßen sind in besserem Zustand als in den anderen drei Ländern, Benzin gibt es an allen Tankstellen, es funktioniert also ähnlich wie zu Hause. Nicht so in Argentinien, Bolivien und Peru. Auch hier gibt es natürlich Unterschiede, die man auch als Europäer sieht.
STREIKS, POLITISCHE DEMONSTRATIONEN UND WAHLEN
Wenn die Benzinpreise in Patagonien von der chilenischen Regierung um 20% angehoben werden, streikt das Volk. Die Grenzbeamten arbeiten nicht, die Grenze ist für einige Tage geschlossen. Wir ändern unsere Route dementsprechend und können einige landschaftliche Highlights nicht genießen.
Wenn in Bolivien die Lehrer mit den Maßnahmen ihrer Regierung nicht einverstanden sind, blockieren sie samt Familien die Fernstraßen. Nur feinfühlige Gespräche mit den Lehrern vor Ort ermöglichen es uns, an Hunderten von Autos, Bussen und Lastern vorbeizuziehen. Wir Motorradfahrer dürfen weiter.
Wenn in den Häfen Argentiniens gestreikt wird, kommt unter anderem wenig Treibstoff ins Land. Konsequenz: Nur wenige Tankstellen haben noch die Nahrung, die unsere Motorräder brauchen. Trotzdem kommen wir weiter. Manchmal durch Kauf von Benzin von Autofahrern, die wie wir unterwegs sind. Man muss nur den doppelten Preis bieten, dann kommen die 10 Liter aus dem Tank des Pkw in den des Motorrads.
All diese Ereignisse regen an, über unser System in Europa nachzudenken und zu dem Schluss zu kommen: Naja, so schlecht haben wir es gar nicht!
Die politische Wetterlage wechselt ständig. In Peru stehen die Wahlen zum Kongress und die des Präsidenten vor der Tür. Das gesamte Land ist von Wahlparolen völlig „zugedeckt“. Jedes zweite Haus oder Gebäude an der Straße hat einen wahlwerbenden frischen Anstrich. Man fährt also manchmal nicht durch attraktive Landschaften, sondern einfach quer durch die Parteien. KEIKO ist die Kandidatin mit dem größten Wahlbudget, so scheint es. Ihr Vater war Präsident, ist es aber jetzt nicht mehr, da er wegen Korruption für 20 Jahre ins Gefängnis verbannt wurde. Mann/Frau fragt sich natürlich, was KEIKO, seine Tochter, machen wird, wenn sie Präsidentin wird. Ihren Vater begnadigen? Viele Stunden auf dem Motorrad regen an, darüber nachzudenken.
DIE INKAS, DIE SPANIER, DIE CHRISTIANISIERUNG
Alle Südamerikaner sind heute noch stolz darauf, die Unabhängigkeit von Spanien und Portugal erlangt zu haben. Viele Straßennahmen erinnern daran, an welchem Datum die Unabhängigkeit erreicht wurde. Die Peruaner sind stolz darauf, die Kultur der Inkas weiterzuführen. Bei Besichtigungen von Kirchen und Museen wird sehr stark auf das Verhalten der Conquistatores hingewiesen. Viel, viel Gold wurde nach Europa geschafft. Viele, viele prächtige katholische Kirchen wurden von den Inkas erbaut - unter entsprechender „Anleitung“ der Spanier.
Die katholische Religion ist heute in Peru mehr und mehr durchsetzt von Elementen der Inka-Kultur. Jeder Guide, der uns durch Kirchen und Klöster führt ist, davon überzeugt. Wenn man in Cusco einige Zeit damit verbringt, die Geschichte und Kultur der Inkas zu betrachten, kann man davon nur sehr beeindruckt sein. Die Zugfahrt nach Machu Picchu lohnt sich, auch wenn viele, viele andere Touristen das Gleiche tun. Die Baukunst, die Steinbearbeitung, das Gold- und Silberhandwerk, die Keramik - all das lässt einen staunen. Eine Hochkultur, die vor 400 Jahren Bestand hatte und dann fast zerstört wurde, jedoch immer noch besteht.
MIT DEM MOTORRAD DURCH DAS LAND DER INKAS
Landschaftlich ist diese Strecke von Süd nach Nord durch die Anden ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis. Jeder Geologe kommt ins Schwärmen, wenn er die Entwicklung der äußeren Schichten der Erde am Rand der Straße betrachten kann. Felsformationen, die begeistern; Farben, die man nur hier sehen kann; Gletscher, die riesig sind; Vulkane, die nächtens oben leuchten, weil sie noch aktiv sind; Canyons, die in der Größenordnung des Grand Canyon in den USA sind; Hochebenen zwischen 4000 und 5000 Metern; Seen, die anders sind als bei uns, weil sie bis zu 4000 Meter über dem Meeresspiegel angesiedelt sind; Wüsten, die sich tagelang am Rand der Straße präsentieren und schließlich der Pazifik, der sehens- und schwimmenswert ist. Die mächtige Vielfalt, die man vom Motorrad aus noch viel intensiver erlebt, haut einen vom Hocker. Fahren oder Fotografieren – das ist hier die Frage!
MOTORRADFAHREN VOM FEINSTEN
Wenn man die Anden auf der Karte sieht, weiß man, dass es dort herrliche Motorradstraßen gibt. Pässe ohne Ende, Naturstraßen bis in höchste Höhen, Asphaltstraßen mit herrlichen Kurven und zwischendurch auch endlose Geraden, wenn man in die Nähe der Küste kommt und die Sanddünen entlang der Fahrbahn kein Ende nehmen. Die Highlights der vergangenen vier Wochen sind kaum aufzuzählen - hier dennoch ein Versuch:
• Von Pucon in Chile sollte man auf alle Fälle zum Vulkan Villarica hinauffahren. Oben Naturstraße, die sich fahren lässt, und dann weiter zu Fuß auf den Vulkan, der von Zeit zu Zeit noch aktiv ist. Oben am Gletscher Vorsicht: Die Parkwächter schicken einen zurück, wenn man keine richtigen Bergschuhe anhat.
• Der wichtigste Pass zwischen Argentinien und Chile ist der Christo Redentor. Den muss man fahren, auch wenn es viele Lkw gibt, aber die Serpentinen auf der chilenischen Seite sind eine Augenweide und eine schöne Herausforderung für jeden Motorradfahrer. Auf argentinischer Seite taucht der Aconcagua nur ganz kurz auf der linken Seite auf – nicht versäumen, ein Foto zu schießen, denn mit seinen 6960 Metern ist er immerhin der höchste Berg Amerikas.
• La Paz, die in einem Talkessel liegende Hauptstadt Boliviens, fasziniert durch ihre Höhe zwischen 300 und 4000 Metern. Aber auch durch die ganz in der Nähe gelegene Straße des Todes, die sowohl mit dem Mountainbike als auch mit dem Moto ein außerordentlicher Genuss ist - wenn auch mit Vorsicht bitte!
• Einmal um den Titikaka-See ist ein weiteres unbezahlbares Erlebnis. Das Wasser hat 12 °C, ist also sehr erfrischend zum Schwimmen (3228 Meter Seehöhe).
• Die Fahrt von Cusco nach Nasca, beides in Peru, führt über das Altiplano (die Hochebene). Da ist es recht kühl zwischen 3500 und 4500 Metern, aber dann geht es auf einer herrlichen Motorradstraße bis hinunter ins Tal, fast auf Seehöhe. Der Planer dieser Straße muss ein Motorradfahrer gewesen sein, so perfekt schlängelt sie sich von 4600 Meter auf 600 Meter herab. Es ist kaum zu glauben: oben 5 °C unten 35 °C innerhalb von 35 Minuten.
Es gäbe noch unendlich viel zu berichten von der Symbiose von tollen Landschaften und ebenso tollen Motorradstraßen. Nur wer das selbst erlebt hat, kann das verstehen!
DER NÄCHSTE BERICHT
Es wird noch bis Bogota in Kolumbien gefahren, dann per Flugzeug nach Panama, da hier der Dschungel noch keinem Straßenbau Platz gemacht hat. Und dann durch ganz Mittelamerika bis nach Los Angeles!
Stay tuned!
In 248 Tagen einmal um die Welt - 2. Etappe
In diesem zweiten Bericht kann ich über unsere Erlebnisse in Argentinien und Chile erzählen. Vor Weihnachten ging es nach der ersten Etappe, die durch Europa und Westafrika führte, per Flugzeug nach Buenos Aires. Dort begann die zweite Etappe, die zuerst zum südlichsten Punkt führt, der auf dieser Erde mit dem Motorrad erreichbar ist: Ushuaia ? Fino del Mundo, wie die Argentinier sagen, und dann auf der berühmten Ruta 40 nach Norden bis Bogota in Kolumbien. Dieser Bericht endet jedoch schon in Bariloche in Argentinien, weiter geht es dann beim nächsten Mal!
Weihnachten und Neujahr in Buenos Aires
Es ist Hochsommer hier, 30-35 Grad C, dazwischen kurze Regenschauer. Die Riesenstadt hat viel zu bieten! Man merkt überall, dass die Argentinier stolze Leute sind. Und sie waren ja auch das Land mit dem höchsten Lebensstandard in Südamerika, bis die Brasilianer sie in den vergangenen 10 Jahren überholten. Das gefällt ihnen keineswegs. Die Prachtstraße von Buenos Aires, die Avenida 9 de Julio, strahlt Macht und Stolz aus. Auf 12 Fahrspuren bewegt sich der Verkehr nicht ganz wie bei uns in Europa. Man kann sich aber schnell daran gewöhnen, die Bodenmarkierungen und die Verkehrsampeln nicht immer ernst zu nehmen. Konzentration ist stets erforderlich, das haben wir schnell gelernt!
In den Straßen sieht man viel Armut und auch Prunk und Reichtum eng beieinander. Tango tanzen kann man hier auch lernen. Aber die Perfektion der Tänzer in den Tango-Shows bleibt für uns ein Traum! Evita Peron ist ein Mythos für die meisten Argentinier. Sie symbolisiert den sozialen Teil der argentinischen Politik bis zum heutigen Tag. Am 1. Januar erleben wir den Start der Dakar-Rallye direkt vom Dach unseres Hotels an der Avenida 9 Julio. Ein riesiges Ereignis für die Argentinier. Der Start ist ein Fest in Buenos Aires, das eine ganze Woche vor der Abfahrt losgeht.
Nun denn, wir wollen endlich losfahren, nachdem wir die Motorräder aus dem Zoll am Flughafen ?befreit? haben und in der BMW-Werkstatt nach 10.000 Kilometern Afrika in Schuss bringen ließen.
Auf in die Pampa
Bis man aus Buenos Aires draußen ist, dauert es eine Stunde. 3 Millionen Einwohner in der Stadt und 12 Millionen ganz eng rundherum sind es, etwa 40% der gesamten Bevölkerung Argentiniens. Wir fahren deshalb diese ersten 60 Kilometer in der Gruppe, was wir sonst nicht tun. Alle atmen auf, als wir endlich zu zweit oder dritt die Pampa unter die Räder nehmen können. An diesen ersten sechs Tagen nach Süden lernen wir viel über Argentinien, das Klima, die Landschaften, die Tierwelt und was man so denkt, wenn es geradeaus geht.
Argentinien ist ein riesiges Land. Die Farmen ? Estancias ? sind ebenso riesig. Mehrere 100 km2 sind keine Seltenheit. Die Rinder und Schafe sind da draußen sich selbst überlassen, zwar eingezäunt, aber doch frei. Sie teilen die Weite mit Guanacos, die aus der Tierfamilie der Kamele stammen. Diese Viecher überwinden die Zäune mit dem Sprung aus dem Stand! Sie sind dann, besonders wenn sie in Scharen auftreten, für uns eine Herausforderung, die wir bisher gemeistert haben! Wenn ein solches Tier fünf Meter vor einem über die Straße springt und man mit 100 km/h unterwegs ist, erhöht sich der eigene Puls schlagartig. Das Ziel ist Mieming / Tirol. Es ist noch über 50.000 Kilometer entfernt.
Die AtlantikKüste ist beeindruckend
Die Ruta 3 führt uns weiter südlich direkt am Atlantik entlang, und der ist sehens- und schwimmenswert. Der Wind und die Wellen sind manchmal sehr heftig, was den Genuss noch erhöht. Und dann konnten wir auf der Halbinsel Valdes die Seelöwen, Robben und Pinguine intensiv beobachten. In kleinen Gruppen mit maximal fünf Leuten schleichen wir uns an diese Kolonien heran, setzen uns auf Steine oder in den Sand und beobachten Hunderte dieser Tiere, wie sie in der Sonne liegen und ihr ?Fell? wechseln. Es dauert gute vier Wochen, bevor sie sich wieder in die tiefe See bewegen zur Nahrungsaufnahme. Wenn wir also so da sitzen und den Tieren zusehen kommen wir nicht umhin, über die Evolution nachzudenken: Wie haben sie sich in Millionen Jahren so entwickelt, dass sie heute bis zu 1500 Metern Tiefe tauchen können?
Ein Ziel ist Ushuaia - ganz im Süden
Wir Motorradfahrer brauchen Ziele. Ushuaia ist eine wirklich wichtige Destination: Die südlichste Stadt auf diesem Planeten. Davor geht es bereits über ein, zwei Pässe, um dann am "Fino del Mundo" einzulaufen. Das ist das Ende der Ruta 3, wo wir mit Champagner und einem Sprung ins Wasser unserer Freude Ausdruck verleihen. Es ist ein tolles Gefühl. Die Gruppe ist euphorisch. Warum? Weil wir eines unserer wichtigen Ziele, "das Ende der Welt", erreicht haben. Eine Wanderung auf dem Gletscher gleich oberhalb von Ushuaia verstärkt unser Gefühl, einen besonderen Punkt auf der Erde zu erleben. Manche rutschen auf Plastiksäcken einen Teil des Gletschers nach unten. Es ist verrückt, was Erwachsene tun können, wenn sie etwas Außergewöhnliches erleben dürfen - und das ist gut so!
Nach einem Tag in Ushuaia wollen wir wieder nach Norden. Puerto Natales ist unser Ziel. Allein die chilenischen Grenzbeamten streiken ? die Grenze ist zu! Streikgrund: Die Regierung in Santiago hat den Preis für Gas um 18% erhöht. Das war genug für die Leute in Patagonie, um auf die Straße zu gehen. Wir sehen riesige Feuer, mit alten Autoreifen gespeist, die dafür sorgen, dass der Touristenverkehr nicht mehr wie geplant fließen kann. Wir schaffen es auf einem Umweg über Argentinien zu den Gletschern bei El Calafate vorzudringen. Der Gletscher Perito Moreno, der in den Lago Argentina ?mündet? ist eine Reise wert. Das Eis ist angeblich Millionen Jahre alt und hat eine intensive blaue Farbe. Mit etwas Glück sieht man Stücke abbrechen und in den See hineindriften. Wassertemperatur 4-6 °C! Manche von uns gehen trotzdem schwimmen, andere rollen die Augen. Wir sind nicht alle gleich! Eine wichtige Erkenntnis, die zum Überleben in der Gruppe unerlässlich ist. 248 Tage zusammen, da wird es manchmal sehr lebendig!
Jetzt geht es weiter nach Norden, mitten hinein in die Anden. Wir wechseln jetzt öfter zwischen Chile und Argentinien. Wenn es gut geht, dauert ein Grenzübergang 20 Minuten. Aber auch eineinhalb Stunden Zeit für Stempel und Unterschriften sind drin. Ruhig bleiben und die Bürokratie lächelnd beobachten. Die meisten von uns schaffen das. Die Seen, die Gletscher, die Felsdome der Anden erinnern manchmal an Österreich oder die Schweiz. Der Monte Fitz Roy ist im oberen Bereich für 351 Tage pro Jahr in Wolken gehüllt. Wir konnten die unteren zwei Drittel in der Sonne sehen, das obere Drittel nur auf Ansichtskarten. Die Schotterstraßen entlang des Lago General Carrera führt hoch oben an den Felsen entlang des Ufers zu Aussichtspunkten, die einen bewegen. Wir sind wieder nah einer Euphorie: Schotterstraßen, herausfordernder Seitenwind, gigantische Ausblicke, wenig Verkehr und das Gefühl, hier wirklich frei zu sein.
Von Bariloche in Argentinien, über Chile und Bolivien nach Peru ? wir freuen uns auf diesen Teil, der uns auf höchste Pässe bringen wird. Die Luft wird dünn auf fast 5000 Meter - Stay tuned!
Interview mit Alfred Hoschek
Alfred, wenn Du die erste Etappe durch Westafrika mit der zweiten durch Argentinien vergleichst, was fällt Dir da auf?
Obgleich ich schon viele Länder bereist habe, waren Marokko und Argentinien für mich neues Terrain, aber eins kann ich schon vorweg sagen ? beide Länder sind eine Reise wert. Die Ausläufer der Sanddünen in der Westsahara bei Sonnenuntergang in Natur zu sehen, ist ein unbeschreibliches Erlebnis, aber auch die abwechslungsreichen und spektakulären Felsformationen im Atlasgebirge sind real viel beeindruckender als man es sich anhand von Fotos vorstellen kann.
Auch Argentinien hat hier neben der unglaublichen Weite des Landes beeindruckende Gebirgslandschaften vorzuweisen. Allerdings muss man hier große Strecken auf den unglaublich langen Geraden zurücklegen. Für den Motorradfahrer gemeinsam haben beide Länder, dass man sehr konzentriert fahren muss. In Marokko zieht die tolle Landschaft die Aufmerksamkeit derart auf sich, dass man leicht Sandverwehungen auf den kurvigen Straßen übersehen kann. In Argentinien hingegen verlocken die langen Geraden zum schnell Fahren und der eine oder andere Teerfleck kann einen bei Regen ordentlich ins Schwitzen bringen.
Sehr unterschiedlich sind die Kulturen der Bewohner. Sind die Marokkaner eher zurückhaltend, aber stets gastfreundlich, bringen die Argentinier hingegen ihre Lebensfreude und ihr Temperament deutlich zum Ausdruck. Kein Wunder, stammt der Großteil der argentinischen Bevölkerung doch von spanischen und italienischen Einwanderern ab. Mit ihrer Offenheit erkundigen sie sich beim exotischen Anblick meiner aufgepackten BMW auf Spanisch nach meiner Herkunft. Ich spreche zwar kein Spanisch, habe aber eine Weltkarte mit der Reiseroute auf meinem Motorradkoffer, mit dessen Hilfe ich unser Vorhaben sprachunabhängig übermitteln kann. Das Ergebnis ist immer ein freudiger Ausruf ?el mundo? (die Welt) mit allerhand Gratulationen und Glückwünschen.
Was waren bisher die Höhepunkte für Dich in Argentinien?
Buenos Aires als zentrale Metropole hat mich durch seine Vielfalt und Lebendigkeit besonders beeindruckt. Als absolutes Highlight wird mir der Start der Rallye Dakar in Erinnerung bleiben. Nicht nur, dass ich den Start von meinem Hotelzimmer aus beobachten konnte, sondern die ganze Innenstadt wimmelte von Technik, Teams und Fahrern. Sogar in unsrem Hotel standen Rallye-Fahrzeuge in der Tiefgarage und saßen Teilnehmer in der Hotellobby. Die beste Gelegenheit, um mit den Aktiven direkt ins Gespräch zu kommen und Informationen aus erster Hand zu bekommen.
Was hat Dir in Argentinien nicht so gut gefallen?
Lange Gerade sind nicht so mein Revier. Als Augsburger Motorradfahrer bin ich mit der Nähe zu den Alpen und den kurvigen Bergstraßen natürlich verwöhnt. Aber das gehört nun einmal dazu, wenn man die Größe der Welt erfahren will.
Worauf freust Du Dich noch auf dieser Welt-Expedition?
Auf den Rest der Welt, der noch vor uns liegt.
In 248 Tagen einmal um die Welt - 1. Etappe
Nach 30 Jahren Edelweiss-Motorradtouren weltweit musste es schon etwas Besonderes sein, dieses Jubiläum mit einem außergewöhnlichen Vorhaben zu begehen. Schon 2002 gab es hier bei uns die Idee, einmal den Planeten zu umkreisen. Gut Ding braucht eben Weile. Am 21. November 2010 war es dann soweit: 14 Motorradfahrer aus Europa und Übersee sowie das vierköpfige Betreuerteam von GlobeBusters aus England starteten vom Sitz von Edelweiss Bike Travel in Mieming, Tirol, zur längsten Motorradreise, die je auf unserem Planeten angeboten wurde: Auf 5 Kontinenten geht es über 64.000 Kilometer 8 Monate lang einmal um unsere Erde!
Warum machen wir das?
Seit vielen Jahren war es unser Traum, den Erdball mit Motorrädern zusammen mit einer Gruppe von Gleichgesinnten zu umkreisen! Wird das funktionieren, wenn 14-19 Biker aus 8 verschiedenen Ländern so lange miteinander auskommen müssen? Wir meinen schon. Wenn es auch eine wirkliche Herausforderung ist! Wir machen das natürlich auch, weil ein solches Gruppenerlebnis einmalig ist. Weil jeder einzelne Tourenfahrer nach den acht Monaten nicht nur sehr viel erlebt haben wird, sondern darüber hinaus diese Welt sowie unsere heutige politische und gesellschaftliche Situation besser verstehen wird. Und schließlich weil alle Welttourer auf dieser Expedition dazulernen werden und sich danach - so hoffen wir - zum Positiven hin verändert haben werden.
Wer fährt mit?
Es sind Motorradfahrer, die alle schon viele Touren gemacht haben, Biker die über die nötige Zeit und die finanziellen Ressourcen verfügen. In jedem Bericht über diese Weltumrundung werden einer oder mehrere Welttourer im Interview vorgestellt. Diesmal sind es Erwin und Bärbel Kellendonk, die als einzige zu zweit auf einem Motorrad die Erde umkreisen.
Wo geht es denn hin?
Die erste Etappe führt uns von Österreich über die Schweiz, Frankreich und Spanien nach Nordafrika. Marokko und die Westsahara stehen im Mittelpunkt. Danach fliegen wir nach Buenos Aires. Süd- und Mittelamerika werden über drei Monate in zwei Etappen unter die Räder genommen, bevor es von LA mit dem Flieger nach Sydney geht. Die vierte Etappe führt dann quer durch Australien, Road Trains und Uluru miteingeschlossen. Von Perth fliegt die Gruppe dann nach Bangkok. Thailand, Laos, China, Kasachstan, Russland, Ukraine, Slowakei sind eine interessante Mischung von Kulturen und politischen Systemen auf der fünften und letzten Etappe, bevor wir am 27. Juli 2011 wieder in Mieming einlaufen.
Marokko war der Hammer!
Es gibt viele Motorradfahrer aus Europa, die dieses Land kennen und lieben gelernt haben. Wir auch, besonders wegen der Marokkaner - ein liebenswürdiges Volk, die diesen europäischen und amerikanischen Motorradfahrern immer wieder freundlich begegnet sind. Auch die Buben, die Steine werfen, sind mit einem freundlichen Lachen unter Kontrolle zu bringen. Wenn man sie ein kurzes Stück auf dem Rücksitz mitnimmt, sind sie überglücklich. Die immensen Gegensätze in dieser muslimischen Nation sind selbst vom Motorrad aus ganz offensichtlich.
Auf dem Land tragen die Frauen riesige Brennholzmengen auf dem Rücken, am Kopf mit einem Band befestigt, kilometerweit. Da möchte man schon stehen bleiben und helfen, allein diese Hilfe dürfen sie von keinem fremden Mann akzeptieren. Weil die Männer, die in den Dörfern an den Straßen sitzen und einen Tee schlürfen, das nicht wollen. Das neue Schulsystem das vor fünf Jahren eingeführt worden ist, soll dazu beitragen, den Frauen eine adäquate Bildung zu verschaffen. Wir hoffe, dass dies gelingt – es wird aber sicher einige Generationen dauern. In den Städten wie Fes hat man im Gegensatz dazu den Eindruck, in Südfrankreich zu sein. Mädchen und Frauen ohne Burka, mit langen Haaren, laufen fröhlich lachend durch die Stadt. Dann tauchen wir in Marrakesch wieder in die Medina ein, wo Tradition und Moderne ganz eng beieinander sind. Überall ertönt der Ruf des Muezzins zum Gebet.
Unser südlichster Punkt war Daklar in Western Sahara. Dieses Gebiet wird von den Marokkanern als Teil ihres Landes gesehen und entsprechend militärisch „geschützt“. Die Berber der Westsahara sind damit nicht ganz einverstanden. Auch dies ist ganz klar zu beobachten. Insgesamt hat man aber in Marokko den Eindruck, dass das Land in den letzten Jahrzehnten eine gigantische Entwicklung nach vorn gemacht hat. Straßen, Schulen und moderne Gebäude schießen aus dem Boden. Um auch unseren Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände in Marokko zu leisten, haben wir dem SOS-Kinderdorf in Marrakesch einen Besuch abgestattet und den weiteren Ausbau finanziell unterstützt.
Was waren die Höhepunkte?
- Da gab es viele – jedes Mal, wenn die Kinder am Straßenrand uns sahen, winkten, pfiffen und schrien sie. Besonders wenn wir zurückwinkten gerieten sie völlig aus dem Häuschen.
- Motorradfahren durch die Bergwelt des Atlasgebirges
- Ein Sprung in den Atlantik bei hohem Wellengang (ohne Motorrad)
- Mit den Marokkanern, die man nicht kennt, einen Tee zu trinken und den freundschaftlichen Händedruck zu erwidern!
Der nächste Bericht
Von Buenos Aires nach Ushuaia, dem südlichsten Punkt, der auf diesem Planeten mit dem Motorrad angefahren werden kann – Patagonien!
Stay tuned!
Interview mit Bärbel und Erwin Kellendonk
Bärbel, wie hat Dich Erwin davon überzeugt, dass es eine tolle Idee ist, die gesamte Welttour gemeinsam zu machen?
Es war nicht schwierig für Erwin, mich davon zu überzeugen; ich fand es auch ganz toll von Anfang an. Natürlich mussten wir die äußeren Bedingungen klären, um so lange wegfahren zu können. Nachdem wir das geschafft hatten, haben wir uns nur noch darauf gefreut.
Erwin, was hat Dich auf dieser ersten Etappe von Österreich nach Marokko und Western Sahara überrascht?
Was mich wirklich überrascht hat, war das Wetter am Anfang. Ich hatte nie erwartet, dass wir im Süden Spaniens bei minus 6 °C auf dem Motorrad zittern müssten.
Erwin, ich habe beobachtet, dass Ihr tagsüber oft allein auf dem Motorrad unterwegs seid, manchmal auch in einer Gruppe. War das so geplant?
Geplant haben wir das vorher überhaupt nicht, aber ich bin ein relativ flotter Fahrer und möchte gleichzeitig auch sicher unterwegs sein. Dies kann ich am besten erreichen, wenn Bärbel und ich auf unserem Motorrad allein unterwegs sind. Manchmal ist es auch ganz ok in der Gruppe zu fahren, so wie es ja auch auf dieser Expedition möglich ist. Es ergibt sich auch jeweils am Morgen wenn man losfährt, wer dann auch gerade startet. Wir nutzen den Tag gern, starten also recht früh.
Bärbel, wir sind auf dieser Welttour zwischen 16-18 Motorradfahrer, die miteinander für 8 Monate auskommen müssen. Wir hat sich unsere Gruppe in dieser Hinsicht in den ersten 4 Wochen entwickelt?
Ich meine, dass das wirklich gut geklappt hat. Am Anfang kannten wir uns kaum, aber im Lauf der Tage ist die Gruppe sehr gut zusammengewachsen. Wir sind jetzt eine super Truppe, bei der ich gerne dabei bin.
Erwin, was hast Du in den letzten drei Wochen bezüglich Nordafrika dazugelernt?
Man braucht nicht sehr weit zu fahren, um zu sehen, wie groß der Unterschied zwischen arm und reich in einer Gesellschaft sein kann. Am meisten ist mir das in Marrakesch aufgefallen – hier prallen Elend und Prunk direkt aufeinander. Die Vielfalt der Landschaft ist aber auch gigantisch: Von den tollen Atlantikküsten zu den Wüsten in Western Sahara sind die Farben, der Landschaftscharakter, der Straßenverlauf total unterschiedlich - und dann noch die Passstraßen über das Atlasgebirge, die zum Teil durch schneebedeckte Sektionen führten. Das hat mich unheimlich beeindruckt. Und dann die Menschen, die wir hautnah miterleben, wenn wir durch die Orte fahren, wo gerade Markt ist. Ganz bunte Kleidung und das Lachen der jungen und alten Marokkaner – es sind wirklich freundliche Menschen!
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