Mammoth Expedition


Motorradfahren bei minus 47 Grad: Diesem Härtetest unterzog Marcus Karnatz den Compañero Boreal im winterlichen Ostsibirien.

Magadan - die Stadt am Ochotskischen Meer ist für viele das heiß ersehnte Ziel auf ihrem mühsamen Weg entlang der berüchtigten „Road of Bones“. Doch für Marcus Karnatz aus Berlin ist Magadan nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Fasziniert von der Weite Ostsibiriens, der Stille und Abgeschiedenheit, wollte er mehr sehen von diesem riesigen Land und schließlich die Beringsee nach Alaska überqueren. Und das im Winter. Mit dem Motorrad.

Sein Bike, mit dem er dieses waghalsige Unterfangen im vergangenen Winter in Angriff nahm, war dabei ebenso exotisch wie der ganze Plan: Eine Rokon Trail Breaker mit Zweiradantrieb, gekauft in den USA, zerlegt und in fünf Kisten verstaut als Übergepäck im Flugzeug nach Berlin transportiert. Dort entstand in vielen Stunden Bastelarbeit ein Hybrid aus Motorrad und Boot, der wenige Tage vor Silvester nach Entfernen sämtlicher Mitfahrer-Sitze ins Auto gepackt wurde.

An der russischen Grenze verschenkte Marcus kurzerhand den Wagen, fuhr mit seinem ungewöhnlichen Vehikel nach Moskau, feierte dort noch Silvester und flog samt Bike nach Magadan. Die „Road of Bones“ hatte er ja schon bei einer früheren Reise auf seiner To-Do-Liste abgehakt.

Mit von der Partie waren sein schwedisch-amerikanischer Freund Nils und der in Japan lebende Brite John, die den Anfang der Ostsibirien-Tour im Auto begleiteten. Jeweils zehn Liter Extra-Tankvolumen in den Felgen sowie Safari-Zusatztanks erhöhten den Benzinvorrat der Trail Breaker auf insgesamt 50 Liter. Zur Ausrüstung gehörten außerdem ein Schlitten für den Gepäcktransport, Luftkissen, ein Seenotrettungsanzug, Notfall-Tracker, GPS und Satellitenbilder von der eisbedeckten Beringsee. „Die amerikanische Küstenwache war super hilfsbereit und hätte notfalls sogar einen Rettungshubschrauber geschickt“, erzählt Marcus.

Doch bis zu dem Randmeer zwischen Ostsibirien und Westalaska kam Marcus nicht, schon nach rund 400 Kilometern war Schluss. Viele technische Probleme mit dem Motorrad, die teilweise auch der extremen Kälte geschuldet waren, zwangen zu einem vorzeitigen Abbruch der „Mammoth Expedition“. Durch die ständigen Reparaturen wurde das Zeitfenster immer kleiner. Die Trail Breaker hatte nur eine Höchstgeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern und einfach nicht genug Leistung, und zu allem Übel war auch noch der Seenotrettungsanzug undicht. Marcus räumt ein, dass er das Unternehmen etwas zu optimistisch angegangen sei und im Vorfeld einfach nicht genug Zeit zum Testen eingeplant habe. Das soll sich beim zweiten Anlauf ändern.

Im Gegensatz zur Rokon Trail Breaker habe sich das Touratech-Equipment, darunter Lenkerstulpen und eine über dem Vorderrad montierte Hecktasche, bestens bewährt, so Marcus. Vor allem vom Compañero Boreal zeigt er sich begeistert: „Mit der entsprechenden Unterbekleidung – eine Schicht war die Primero Polar von Touratech – bin ich bei minus 47 Grad mit diesem Anzug Motorrad gefahren. Bis minus 30 Grad habe ich mich sogar noch richtig wohl gefühlt.“

Die „Mammoth Expedition 2.0“ ist bereits in Planung. Ein genauer Termin dafür steht zwar noch nicht fest, dafür aber das Bike: Diesmal soll es Eine Yamaha TW 200 sein. Wir sind gespannt.

Kategorie: Adventure | Travel