Adventure Classics


Canning Stock, Camino de la Muerte oder Dalton Highway – bei manchen Destinationen genügt der Klang ihres Namens, um Motorradreisenden einen wohligen Schauer den Rücken hinablaufen zu lassen. Von kurzen Pistenabschnitten bis zu wochenlangen Expeditionen haben wir eine Auswahl von zehn Traumrouten rund um den Globus zusammengestellt, die allesamt von Touratech-unterstützten Travellern bereist wurden.

Canning Stock Route

Lage: West-Australien | Reisender: Andreas Hülsmann und Jörg Becker (†) | Länge: 2000 km | Reisedauer: 3 Wochen | Schwierigkeit: Extrem

Vor über einhundert Jahren wurde die Canning Stock Route als Viehtreck angelegt. Die teils stark verfallene Piste durchquert drei Wüsten im westlichen Australien. Riesige Dünen machen das Fortkommen per Motorrad zur Tortur, die Versorgungssituation ist ausgesprochen schwierig. Nur mit akribischer Planung und perfekter Ausrüstung ist ein Durchkommen möglich.

Little Sandy, Gibson und Great Sandy Desert heißen die Wüsten, durch die die Canning Stock Route führt. Jede für sich schon ein großes Abenteuer, auf dem legendären Viehtreck nur Episoden. Episoden allerdings, die es in sich haben. Rund 1000 größere und kleinere Dünen haben die beiden Reiseprofis Andreas Hülsmann und Jörg Becker (†) nicht nur einmal am Sinn ihres Vorhabens zweifeln lassen. Mit ihren F 650 GS Rally von Touratech hatten sie zwar Dakar-erprobtes Material für diese extreme Strecke ausgewählt, doch im Sand zählt bekanntlich jedes Gramm. Und die beiden Globetrotter hatten ihre Bikes zwangsläufig ordentlich bepackt. Wasserreserven, Kraftstoffvorräte und Ersatzteile trieben das Fahrzeuggewicht in die Höhe.

Neben dem Trinkwasser ist Benzin der kostbarste Stoff auf dieser Route. Sprit gibt es entlang der 2000 Kilometer langen Piste nur an zwei Orten. Und an einem davon sogar nur auf Vorbestellung. Mit einem Vorlauf von sechs Wochen liefert der Betreiber des Capricorn Roadhouse ein 200-Liter-Benzinfass zum Well 23. Mit Well (engl.: Quelle) werden die Wasserlöcher entlang der Strecke bezeichnet. Die exakte Position der Wells vor der Reise akkurat im GPS abzulegen, gehört zu den lebenswichtigen Vorbereitungen einer Canning-Stock-Expedition

Doch selbst bei perfekter Planung gibt es bei einer Unternehmung dieser Art zahllose Unwägbarkeiten, die die Reisenden permanent zum Improvisieren zwingen. So führten die zahlreichen Stürze in dem schwierigen Terrain nicht nur zu Schäden an den Motorrädern, die behelfsmäßig repariert werden mussten, bei einem Crash verlor Andreas Hülsmann auch noch eine erhebliche Menge Benzin.

Die Canning Stock Route lässt sich nur im australischen Winter bereisen, zu hoch sind ansonsten die Temperaturen. Der beste Zeitraum für eine Durchquerung der Wüsten ist zwischen Anfang Juni und Ende August.

Nördlicher Fjallabaksweg

Lage: Süd-Island | Reisender: Jo Deleker | Länge: 75 km | Reisedauer: 1 Tag | Schwierigkeit: kernig

Im Süden Islands zweigt die F 208 von der Ringstraße ab. Durch einsame Landschaften führt die Piste hinauf ins Hochland. Wasserscheu sollte nicht sein, wer den nördlichen Fjallabaksweg bereisen möchte. Tiefe und reißende Furten wollen auf der einsamen Strecke gemeistert werden.

Fjallabaksleið nyrðri – was für Zungenbrecher, diese isländischen Namen. Nennen wir den nördlichen Fjallabaksweg also einfach beim schnöden Bürokratennamen: F 208. F – das bedeutet eine Hochlandpiste ohne Brücken. Sehr schön. Und die F 208 ist sicher eine der großartigsten Pisten der Vulkaninsel. Sie beginnt am Geothermalgebiet Landmannalaugar mit seinen bunten Rhyolithbergen und dem heißen Pool, im Sommer leider arg belagert von unzähligen Touris. Aber die Einsamkeit startet schon hinter dem nächsten der moosgrünen Berge.

Die raue Spur mäandert südwärts, taucht ein in eine Welt, die direkt aus Mordors Reich zu stammen scheint. Nur Bäume fehlen hier komplett, dafür aber braune Asche, schwarze Lava, bizarre Berge mit Altschneefeldern garniert, ein paar bunte Spots wie das lila blühende stängellose Leimkraut oder giftgrüne Moospolster.

Feine schwarze Lavasteine knirschen unter den Stollenreifen der XT, weicher dunkler Sand versucht die angepeilte Spur zu verhindern. Konzentration. Dann die erste von über einem Dutzend Furten. Anhalten, Motor aus, die Furt zu Fuß erkunden. Alles gut, klares Wasser, nicht mal knietief, fester sandiger Grund. Erster Gang und mit Zug auf der Kette durch. Für den Fotografen umkehren und mit Schwung nochmal durch den Fluss. Er möchte Dynamik und die kann er an dieser Furt haben. Gut, dass das Visier geschlossen ist, das eiskalte Wasser spritzt meterhoch. Die tiefen Furten kommen noch, die wollen nicht mehr spielen, die meinen es ernst.

Stunden sind wir unterwegs, völlig gefangen in der Dramatik dieser wilden und so fremdartigen Welt, so anders als alles, was wir bisher in Island gesehen haben. Kaum zehn Autos kommen entgegen bis heute Abend, das hier ist nichts für Anfänger und »Ringstraßenfahrer«. Gut so, dann bleibt die F 208 was sie schon immer war, eine der spannendsten und einsamsten Hochlandpisten, die die Insel am Polarkreis in ihrem Repertoire hat.

Der Landweg nach Indien

Lage: Eurasien | Reisender: Jo Pichler | Länge: ca. 12000 km |  Reisedauer: mehrere Wochen | Schwierigkeit: durchwachsen

Der Mythos Seidenstraße schwingt stets mit, wenn es um den Landweg nach Indien geht. Bis heute zählt die legendäre Route wegen ihrer kulturellen Vielfalt aber auch wegen anspruchsvoller Streckenabschnitte und der schwer kalkulierbaren politischen Situation in vielen Ländern zu den großen Herausforderungen für Motorradreisende.

Nicht erst seit die Hippies sich in den späten 1960er Jahren mit klapprigen Gefährten ins Land der Erleuchtung aufmachten, zählt die Überlandstrecke von Europa nach Indien zu den Must-Dos entdeckungsfreudiger Reisender. Bereits die Pioniere des Motorradreisens wie Max Reisch erlagen der geheimnisvollen Verlockung dieser bereits vor der Antike genutzten Route. Natürlich gibt es nicht Die eine Verbindung zwischen Orient und Okzident. Schon die legendäre Seidenstraße besaß vielerlei Äste und Verzweigungen. Eine besonders anspruchsvolle Route, die zahlreiche Highlights bündelt, hat der Motorradabenteurer Jo Pichler ausgearbeitet.

im vermeintlichen Schurkenstaat Iran erlebt der Österreicher unvorstellbare Gastfreundschaft und kämpft sich durch einen der heißesten Plätze der Erde. In der Dasht e Lut, Irans größter Wüste, werden enorme Hitze und atemberaubende Kulissen seine Begleiter. In Kirgisistan baut er sein Zelt am Fuße des Pik Lenin im Pamir Gebirge auf. Sein nächster Halt ist Kashgar in Westchina, der legendäre Karawanenstützpunkt an der Seidenstraße. In der bereits dünner werdenden Luft des Karakorum Highway geht es über den 4693 Meter hohen Khunjerab Pass nach Pakistan hinab ins Hunzatal.

In Amritsar ist die Grenze zu Indien erreicht, wo ihn das faszinierende Kaschmir mit den höchsten Passstraßen der Erde erwartet und ihn ins Himalaya Gebiet nach »Little Tibet« führt. Hier wird in den abgelegenen Klöstern von Ladakh und Zanskar noch heute eine ursprüngliche Form des Tibetischen Buddhismus gelebt. Nach einer Abfahrt über 4000 Höhenmeter erreichte Joe Pichler die Ganges-Ebene. Mit dem indischen Subkontinent wartete hier das nächste Abenteuer auf den Reisenden.

Wilde Bergwelt in Lào Cai

Lage: Nordvietnam | Reisender: Martin Brucker | Länge: 1200 km | Reisedauer: ca. 20 Tage | Schwierigkeit: teils sehr anspruchsvoll

Oft sind es nur wenige Fuß breite Pfade, die die Dörfer im unzugänglichen Bergland Nordvietnams miteinander verbinden. Martin Brucker hat die abgelegene Region im Grenzgebiet zu China mit seiner Einzylinderenduro erkundet.

Ganz im Nordwesten Vietnams liegt die Provinz Lào Cai, die bekannt ist für ihre steilen Berge, tiefeingeschnittenen Schluchten, reißenden Flüsse – und die noch traditionell lebenden Bergvölker. Einen schönen Kontrast zur schroffen Wildnis bilden rund um Sa Pả die terrassierten Reisfelder, von wo ich meine Erkundungstour in die Berge Nordvietnams startete.

Das GPS hatte immer mal wieder für Minuten keinen Empfang, so eng und steil waren die Schluchten. Meist dauerte es nicht lang, und die Straße ging über in einen unbefestigten Fahrweg oder in einen schmalen Pfad, der nur noch von einspurigen Fahrzeugen benutzt werden kann.

Zweimal bin ich an einem Abzweig in den falschen Pfad abgebogen, umkehren war keine Option, da der Platz nicht ausreichend war, um mein Motorrad zu wenden. Auf der einen Seite ging es steil bergan und auf der anderen Seite ebenso steil nach unten – ich musste das Gepäck abladen, das Motorrad vorsichtig auf der Bergseite ablegen, um es am Lenker auf der Fußraste umzudrehen.

Frühmorgens warteten meist schon Besucher geduldig vor dem Zelt, und hofften, einen Blick auf meine Ausrüstung zu erhaschen. Besonderes Interesse fand der Benzinkocher.

Kurz vor Mai Son war noch eine kitzelige Flusspassage zu bewältigen. Das Motorrad musste auf ein Langboot verladen werden, auf der gegenüberliegenden Seite des Stroms konnte ich es nur mit Mühe rückwärts wieder ausladen.

Auf der Straße Nummer 6 ging es an Hanoi vorbei wieder Richtung Süden, als ich ein kratzendes Geräusch vernahm, das offenbar vom Hinterradlager herrührte. Als ich die Achse herauszog, kullerten mir sämtliche Kugeln entgegen. In einer kleinen Busch-Werkstatt wurde der Schaden ebenso unkonventionell wie schnell behoben. Nach einem kurzen Aufenthalt konnte ich meine Reise durch Vietnam fortsetzen.

Road of Bones

Lage: Ost-Sibirien | Reisender: Claudia und Andreas Hülsmann | Länge: 500 km | Reisedauer: Mindestens 1 Woche | Schwierigkeit: extrem

Im äußersten Osten Sibiriens warte mit der Road of Bones eines der ganz großen Abenteuer auf Motorradreisende. Die dem Verfall preisgegebene Strecke ist nur bei günstiger Witterung zu befahren, und auch bei optimalen Bedingungen gibt es keine Garantie für ein Durchkommen.

Einst unter unmenschlichen Bedingungen von Gulag-Häftlingen erbaut, ist die Road of Bones heute weitgehend dem Verfall preisgegeben. Der Kolyma Highway hat ihre Funktion übernommen. Zwei Abschnitte sind jedoch noch erhalten und können von hartgesottenen Motorradreisenden befahren werden.

Kolyma Highway ist die umgangssprachliche Bezeichnung der Strecke zwischen Jakutsk und Magadan am Ochotskischen Meer. Offiziell heißt die 2031 Kilometer lange Straße R504 Kolyma. Die Oberfläche der Straße ist mittlerweile fast durchgängig in gutem Zustand, jedoch nicht asphaltiert.

In Kyubeme zweigt die Old Summer Road, wie die Road of Bones auch genannt wird, von der neuen Trasse ab. Bereits der Einstieg hielt für Claudia und Andrea Hülsmann eine echte Herausforderung bereit. Der Kyubeme River war so tief, dass an ein Durchfahren nicht zu denken war: Zu groß das Risiko, Wasser in die Motoren zu bekommen oder in die Fluten zu stürzen. Die Maschinen wurden komplett abgeladen und einzeln durch den Fluss geschoben. Dann galt es, die Ausrüstung ans gegenüberliegende Ufer zu tragen.

Die folgenden 250 Kilometer waren dann relativ gut zu fahren. Dieser Abschnitt wird noch etwas instandgehalten, um die Stadt Tomtor versorgen zu können.

Ab Tomtor zeigt sich die Road of Bones von ihrer ungemütlichen Seite. Häufig müssen die Motorräder unter größter Kraftanstrengung um riesige Schlammlöcher herum neben der Straße durchs Buschwerk gezerrt werden. Nach 40 schweißtreibenden Kilometern ist Oymyakon erreicht. Die Stadt darf sich mit dem den zweifelhaften Titel »Kältepol der Erde« schmücken. Im Jahr 1924 wurden minus 71,2 Grad gemessen, weniger als irgendwo sonst auf der Welt.

Ab hier schrumpft der Tagesschnitt auf 60 Kilometer. Wie alle Strecken in Sibirien leidet auch die Road of Bones unter dem Permafrost. Der bald unter der Oberfläche ganzjährig gefrorene Boden verhindert das Versickern der Niederschläge. Nach Regenfällen kann die Piste für Tage unpassierbar sein. Doch auch bei trockener Witterung ist Schlamm ein ständiger Begleiter.

An vielen Stellen ist die Piste so stark unterspült, dass metertiefe Krater klaffen. Oft bleibt nur eins schmaler Streifen zwischen dichtem Gestrüpp und Abgrund, über den die Maschinen balanciert werden müssen.

Nahe der Geisterstadt Kadykchan erreichen Claudia und Andreas Hülsmann nach 500 Kilometern wieder den Kolyma Highway. Weiter östlich befindet sich ein weiterer Abschnitt der Old Summer Road, der zum damaligen Zeitpunkt jedoch unpassierbar war.

Afrika – Coast to Coast

Lage: Südliches Afrika | Reisender: Dirk Schäfer | Länge: 12.000 km | Reisedauer: Mindestens 5 Wochen | Schwierigkeit: durchwachsen

Von der Atlantikküste bis an den Indischen Ozean hat Dirk Schäfer Afrika in West-Ost-Richtung von Namibia über Sambia und Tansania bis Kenia durchquert. Die heraufziehende Regenzeit erschwerte das Vorankommen auf den Pisten enorm, nicht nur einmal stand das Gelingen der Unternehmung in Frage.

Der Startpunkt für die Afrikadurchquerung liegt an der sagenumwobenen Skelettküste, einem öden Landstrich, wo Dutzende Schiffswracks in der Brandung des Atlantik vor sich hinrosten. Auf einer Salzpiste folgt Dirk Schäfer mit seinen beiden Reisekameraden der Küste zunächst nordwärts, bis das Trio auf Höhe des Damara Berglandes östlich ins Landesinnere abbiegt. Schroffe Bergspitzen ziehen die Reisenden in den Bann aber auch die Tierwelt präsentiert sich in faszinierender Vielfalt.

In Sambia hat die Regenzeit bereits begonnen. Der Sambesi – Zufluss zu den Victoriafällen – ist schon stark angeschwollen und an zügiges Vorankommen wie eben noch in Namibia ist abseits der Hauptrouten nicht mehr zu denken. Aber nicht nur die glitschigen Pisten drücken auf den Reiseschnitt in Richtung Victoriafälle. Laufend verzweigt sich die Piste und weder Karte noch das GPS liefern brauchbare Informationen. Letztlich sind es die Victoriafälle selbst, die mit ihrer mehrere hundert Meter hoch aufsteigenden Gischt den Weg weisen. Mosi-oa-Tunya, donnernder Rauch, nennen ihn die Einheimischen.

Beim Ausflug an eine Bucht des Tanganyikasee fahren sich die Reisenden im Schlamm fest und brauchen einen ganzen Tag, um die Maschinen wieder freizubekommen. Um die materialmordende Piste nicht noch einmal fahren zu müssen, wird eine Bootsüberfahrt über den zweitgrößten Süßwassersee der Erde organisiert – die Motorräder kopfüber in einem morschen Kahn.

Auf dem Weg nach Arusha und zur kenianischen Grenze folgt die nächste Schlammschlacht. Diesmal ist die Straße überspült, knietiefe Löcher lauern als unsichtbare Fallen. Das Reisetempo sinkt auf Schrittgeschwindigkeit.

Ganz andere Verhältnisse dann in Tansania rund um den Kilimandscharo. Hier hat die Regenzeit noch nicht Einzug gehalten, die Pisten sind so trocken, dass die Staubfahnen hinter den Maschinen einen kilometerlangen Abstand erfordern.

Nach 12.000 Kilometern und vier durchquerten Ländern ist bei Mombasa in Kenia schließlich der Indische Ozean erreicht.

Faszination Westalpen

Lage: Südliches ital./franz. Grenzgebiet | Länge: unterschiedlich | Reisedauer: ganz nach Gusto | Schwierigkeit: durchwachsen

Anspruchsvolle Pisten und herausfordernde Trails vor atemberaubender Bergkulisse – schöner als in den Westalpen kann Endurowandern nicht sein. Trotz einiger Sperrungen warten im Piemont, in Hochsavoyen und der Haute Provence noch immer zahlreiche Strecken auf Entdecker.

Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass eine ganze Generation Enduristen mit der Faszination Westalpen sozialisiert wurde. Etwa zeitgleich mit dem »Goldenen Zeitalter« der Enduros in den 1980er Jahren drang immer häufiger die Kunde von unerhörten Hochgebirgsabenteuern bis in die Garagen selbst des plattesten deutschen Flachlandes. Mit Spannung wurde auf das nächste Tourenfahrer-Heft gewartet, vielleicht hielten die Autoren wieder eine neue Offenbarung bereit? Die Details lieferte dann Denzels Großer Alpenstraßenführer. Chaberton, Sommeiller, Jafferau lauteten die klangvollen Namen der Hochziele – zu erreichen nur über enge, teils arg abschüssige Schotterwege, auf den Gipfeln Forts mit morbidem Charme.

Fast der gesamte Alpenhauptkamm im italienisch-französischen Grenzgebiet ist mit einem engen Netz Militärsträßchen überzogen, die vom Anfang bis kurz vor die Mitte des 20. Jahrhunderts angelegt wurden. Sie dienten einst der Versorgung von Befestigungsanlagen und Forts. Nach dem zweiten Weltkrieg begann der Verfall; nicht nur der militärischen Anlagen, auch ihrer Zufahrten.

Für Enduristen bieten die meist kühn angelegten und bis auf die Gipfel stattlicher Dreitausender hinaufführenden Pisten und Wege einen Abenteuerspielplatz par excellence. Wenn nach einem langen Tag in den Rasten abends vor den Ruinen eines verfallenen Forts das Lagerfeuer knistert, die Weinflache kreist und die gemeisterten Herausforderungen des Tages Revue passieren, dann ist das Abenteuer Westalpen perfekt.

Erstmals getrübt wurde das Alpenfahrer-Idyll durch die Sperrung des Mont Chaberton Ende der 1990er Jahre. Es stand die Befürchtung im Raum, dass den Westalpen das selbe Schicksal drohte wie der Region um den Gardasee, wo Enduristen sukzessive komplett ausgesperrt wurden. Dies hat sich zum Glück nicht bestätigt. Bis heute gibt es zahlreiche Wege und Pisten, die legal befahrbar sind.

Sicher, man muss sich heute vorab genauer informieren, am besten bei den Fremdenverkehrsämtern vor Ort, und auch mehr Rücksichtnahme auf die immer zahlreicher werdenden Wanderer und Radler ist geboten. Doch die Faszination Westalpen lohnt den Aufwand. Bestimmt.

Infos: Denzel – Großer Alpenstraßenführer, 26. Ausgabe. ISBN 9783850477741

Südamerika kompakt

Lage: Mittleres Südamerika | Reisende: Touratech Testteam | Länge: 2000 km | Reisedauer: rund 4 Wochen |Schwierigkeit: Teilweise extrem

Nahe der bolivianischen Metropole La Paz lässt sich Südamerika gleichsam im Schnelldurchlauf erleben. Die halbwüstenartige Hochebene Altiplano, die schneebedeckten Sechstausender der Kordillere und das tropische Tiefland rücken hier auf engstem Raum zusammen.

Es verschlägt uns den Atem, als wir in La Paz aus dem Flugzeug steigen. Die dünne Höhenluft ist noch ungewohnt, rund 24 Stunden Flug stecken uns in den Knochen. Trotzdem ist La Paz ein guter Ausgangspunkt für eine Südamerikatour. Der Flughafen ist überschaubar, mit etwas Spanisch und Verhandlungsgeschick sind die Motorräder schnell durch den Zoll gebracht. Und auch die Stadt selbst ist eine Attraktion. Über rund 1000 Höhenmeter zieht sich die Metropole aus einem stickig heißen Talkessel bis auf den rund 4000 Meter hohen Altiplano hinauf, wo meist ein eisiger Wind weht.

Nach ein paar Tagen Akklimatisation und Erkundung der farbenfrohen Märkte führt die Reiseroute knapp unterhalb des mächtigen, fast 6000 Meter hohen Huayna Potosí zur Passhöhe La Cumbre. Hier zieht es uns sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Das Hochland bricht abrupt ab, tief unten wogt ein Wolkenmeer über dem Dschungel des Tieflandes.

Früher bildete der Camino de la Muerte den einzigen Weg hinab in die Yungas. Obwohl es heute eine vergleichsweise komfortable Umfahrung gibt, sollte sich kein Endurist den in hunderte Meter senkrecht abfallende Felswände gehauenen Weg entgehen lassen. Doch Vorsicht: Die Strecke gilt als eine der gefährlichsten der Welt.

Während zwei Stunden Fahrzeit steigt das Thermometer gut und gerne um 25 Grad. Kaum ist die dichte Wolkenschicht durchbrochen, umgeben uns tropische Pflanzen, exotische Düfte dringen in den Helm. An die neue Szenerie kann man sich bei einem lokalen Kaffee wunderbar in Coroico, einem touristisch gut erschlossenen Ort, gewöhnen.

Wir zweigen von der Hauptpiste, die bis tief hinein nach Amazonien führt, ab und gelangen ins Goldgräberdorf Mapiri. Mit primitivsten Mitteln ringen die Garimpeiros, wie die Goldsucher des Tieflandes genannt werden, dem Flusssand das rare Gold ab.

Ob sich die Tour wie geplant als Runde fahren lässt, ist bis zum Schluss nicht klar. Karten und Satellitenbilder liefern widersprüchliche Informationen. Doch wir haben Glück. Eine Piste existiert, wenn auch in haarsträubendem Zustand. Hunderte Meter lange Schlammfelder müssen durchquert werden, hüfttiefe Furten gilt es zu meistern.

Doch selbst in der Abgeschiedenheit des Waldes treffen wir auf verstreut liegende Siedlungen. Nicht nur einmal wird uns eine leer stehende Hütte als Übernachtungsmöglichkeit angeboten.

Kurz vor Tuiluni erreichen wir die Nationalstraße 16, die nicht viel mehr als ein zerfurchter Fahrweg ist. Doch nun ist klar, wir können unsere Runde durchs Tiefland wie geplant beenden. Bald geht es wieder steil bergan und nachdem wir uns nochmal rund 2000 Meter in die Höhe geschraubt haben, liegt die tiefblaue Wasserfläche des Titicacasees vor uns.

Am Ostufer des Sees machen wir noch einen Abstecher in den Nudo de Apolobamba, der mit seiner starken Vergletscherung zu den schönsten Bergketten der Anden zählt. Von hier ist es noch eine Tagesreise zurück nach La Paz.

Alaska und Dalton Highway

Lage: Nordwestlicher Zipfel Nordamerikas | Reisende: Josephine Flohr und Daniel Rintz | Länge: gut 3000 km | Reisedauer: ca. 4 Wochen | Schwierigkeit: Einfach bis mittel

Die unendliche Weite der arktischen Tundra prägt Große Teile Alaskas. Aber auch schroffe Gebirge mit riesigen Eisströmen und wildreiche Wälder erwarten den Reisenden. Eine gewisse Wetterfestigkeit sollte jedoch mitbringen, wer den nördlichsten Bundesstaat der USA erkunden will.

Es gibt nicht viele Seitenstraßen oder kleinere Wege in Alaska, da die wenigen Einwohner in der Regel kleine Flugzeuge als Fortbewegungsmittel nutzen. Viele Orte sind nicht ans Straßennetz angebunden. Das heißt, dass man sich oft mit den Hauptverbindungen vergnügen muss. Diese sind gut in Schuss, rund die Hälfte dieser Routen ist jedoch nicht asphaltiert ist. Aber auch die Pisten sind relativ einfach zu befahren. Man muss nur sehr aufpassen, oder besser einen Tag Pause einlegen, wenn es regnet.

Um z. B. den Dalton Highway auch im Sommer für die schweren Fahrzeuge nutzbar zu machen, wird die Oberfläche mit Kalziumchlorid gemischt. Wenn dieser Verbund nass wird, ergibt das eine seifenglatte Oberfläche. Glücklicherweise hatten wir nur einen Regentag, aber an dem sind wir nicht über den zweiten Gang hinausgekommen.

Das beliebtest Ziel für Motorradfahrer, die sich nach Alaska aufmachen, ist natürlich Deadhorse in Prudhoe Bay, der nördlichste anfahrbare Punkt Amerikas. Auch wir haben dieses Ziel nicht ausgelassen. Ich empfand es als eine interessante Route, und bin froh, dass wir die damit verbundenen Strapazen auf uns genommen haben. Um das Polarmeer zu sehen, muss man auf den letzten Kilometern in einen Kleinbus steigen und einen Guide engagieren, um das Privatgelände der Ölbohrfirma betreten zu dürfen.

Alaska war sicherlich eines der Highlights unserer Weltreise. Als erste Erinnerung, die mir in den Kopf kommt, fällt mir die unglaubliche Natur mit einer nahezu heilenden Wirkung ein. Für kulturelle Erlebnisse und das Kennenlernen fremder Kulturen wäre Alaska nicht meine erste Wahl, aber die riesigen, meist unbewohnten Weiten begünstigen spirituelle Begegnungen mit sich selbst.

Der fast 40 Kilometer lange Matanuska Gletscher in Südalaska ist wahrscheinlich einer der wenigen, auf denen man selbst herumklettern kann. Für die eigene Sicherheit würden wir einen Guide und die Nutzung von Steigeisen empfehlen.

Nicht versäumen sollte man bei einer Reise durch Alaska den Denali Nationalpark. Für eine Erkundung würde ich rund eine Woche Zeit einplanen. Es gibt nicht nur sehr viele tolle Wanderwege, sondern man braucht auch viel Geduld, um den kältesten Berg der Welt zu sehen. Der Mt. McKinley versteckt sich nämlich die meiste Zeit in den Wolken.

Garden Route

Lage: Südliches Südafrika | Reisende: Josephine Flohr und Daniel Rintz | Länge: 300 km | Reisedauer: Einige Tage | Schwierigkeit: Leicht bis mittel

Die sogenannte Garden Route in Südafrika ist sicher eine der landschaftlich schönsten Küstenstraßen der Welt. Sie führt über rund 300 Kilometer von Mosel Bay in Western Cape bis nach Storm River in Eastern Cape. Doch es lohnt sich auch, diese Traumstrecke zu verlassen. Im landeinneren warten echte Offroadabenteuer.

Wir sind in Kapstadt gestartet und haben uns so oft wie möglich für die Straßen entlang der Küste entschieden. Der Asphalt ist in gutem Zustand und schlängelt sich zuweilen nur knapp über dem Meeresspiegel am Ufer entlang. In steileren Küstenpassagen winden sich die Straßen aber auch gerne in Haarnadelkurven in luftige Höhen hinauf. Die Ausblicke sind regelmäßig atemberaubend.

Wenn man im Juli oder August vor Ort ist, hat man gute Chancen, Wale direkt von der Straße aus zu sehen. Hermanus, ein sonst verschlafenes Nest zwei Stunden vom südlichsten Punkt Afrikas entfernt, wird in den Wintermonaten von unzähligen Touristen geweckt, weil sich hunderte, vielleicht sogar tausende, von Walen diese Bucht als Geburtsort ihrer Nachkömmlinge ausgesucht haben. Uns wurde berichtet, dass so viele Wale so nah ans Ufer kommen, dass man theoretisch von einem Walrücken zum anderen springen könnte.

Woran man sich aber das ganze Jahr über erfreuen kann, sind die neugierigen Pinguine. Viele Rastplätze sind mit Wanderpfaden ausgestattet, die direkt an den Strand führen.

Verlässt man die Küstenstraße landeinwärts, muss man recht bald seine Offroad-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Viele landschaftlich interessante Strecken führen über Stock und Stein. Besonders in den Sommermonaten lohnt es sich, in den rund 1000 Meter hohen Bergen etwas Abkühlung zu suchen. Wir haben das Strand-Berge-Wechselspiel entlang der Küste für mehrere Tausend Kilometer gespielt.

In Durban, einer typischen südafrikanischen Stadt mit einer markanten Surfer-Szene, haben wir den Impuls erhalten, den Sani Bergpass nach Lesotho zu befahren. Für den größeren Teil war dieser gut zu fahren, aber das letzte Stück, von ca. 2500 auf 3000 Höhenmeter, wurden unsere Nerven getestet. Die eine Hälfte der Haarnadelkurven war von der Sonne aufgeweicht und schlammig, während die andere Hälfte der Kehren, die den ganzen Tag im Schatten des Bergmassivs liegen, vereist waren. Leitplanken gibt es natürlich nicht. Aber die unbeschreibliche Aussicht und das in der höchsten Bar Afrikas (2874 Meter) servierte Bier haben uns für die Anstrengungen mehr als entschädigt.

 

 

 

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