REISE | KANADA IM WINTER – You must be Germans

REISE | KANADA IM WINTER – You must be Germans

Extremreise im Winter: Nach rund 4.000 Kilometern durch die Eiswüste im nördlichen Kanada erreichen Martin Brucker und sein Reisepartner mit ihren Motorrädern in Tuktoyaktuk das Arktische Meer.

Am 9. Februar 2025 ist es soweit: Mit meinem Freund Alex stehe ich vor dem berühmten Ortsschild von Tuktoyaktuk am Arktischen Ozean. 4.000 Kilometer auf Schnee, Eis und Schotter liegen hinter uns.

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Geschlossene Schneedecke kurz vor Fort McPherson

Was 2014 in Alex’ Werkstatt in Seattle als fixe Idee begann, ist endlich Wirklichkeit geworden. Schon 2022 hatten wir versucht, uns mit unseren Motorrädern den Weg in den hohen Norden zu bahnen. Doch wegen Corona war der Dempster Highway für Touristen gesperrt, in Dawson City mussten wir umkehren. Diesmal stand die Tour wieder auf der Kippe: Mein eigenes Motorrad ließ sich nicht rechtzeitig nach Kanada importieren. Doch dann streckte BMW Motorrad Kanada eine helfende Hand aus: Der Importeur stellte uns zwei brandneue F 900 GS zur Verfügung, Touratech unterstützte uns mit dem nötigen Equipment für diesen Trip der Extreme. Am 17. Januar 2025 starteten wir in Calgary – unser ehrgeiziges Ziel: Die Arktis!

KÄLTE, DIE ALLES VERÄNDERT

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Die Tage sind kurz – Ankunft in Carmacks

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Sonnenuntergang auf dem Dempster Highway

Die ersten Tage verliefen harmlos, wenn man bedenkt, was noch auf uns wartete. Plus acht bis minus 16 Grad – Temperaturen, bei denen Motorradfahren noch problemlos möglich ist. Doch je weiter wir nach Norden kamen, desto gnadenloser wurde die Kälte. Auf dem Dempster Highway fielen die Werte bis auf minus 38 Grad. Heizkleidung lehnten wir bewusst ab. Wir wollten die Batterien schonen und es so machen wie die Hundeschlittenführer: Zwiebelprinzip. Doch die Realität zeigte uns schnell unsere Grenzen. Jeder Fahrtag zehrte an den Kräften, jeder Windstoß schnitt wie ein Messer durch die Schichten.

BEGEGNUNGEN AUF DER STRASSE

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Warnung vor zotteligen Fußgängern

Die Highways nach Dawson City sind im Winter zwar geräumt, aber die Natur beansprucht die Straßen für sich. Immer wieder standen plötzlich Bisons oder Elche vor uns. An die erste Bisonbegegnung erinnere ich mich genau: Ich war so fokussiert aufs Fahren, dass ich achtlos an dem gewaltigen Tier vorbeirollte. Alex hingegen hielt an – und stand keine zwei Meter von dem Koloss entfernt, der mit seinem Schädel den Schnee zur Seite schob.

Auf den nächsten hundert Kilometern begegneten wir immer wieder ganzen Herden. Geduld war gefragt: Oft liefen sie kilometerweit vor uns her, ehe sie uns endlich vorbeiließen. Einmal kam ich einer Gruppe so nah, dass ich vom Motorrad stieg, mich hinkniete und fotografierte. Als die Tiere in aller Ruhe wenige Zentimeter an mir vorbeizogen, stockte mir der Atem. Auf einem der Bilder spiegelte sich mein eigenes Ebenbild in der Pupille des Bullen – für mich das Bild der Tour.

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Touratech_Motorrad_Brucker_Kanada_Bisonherde

Die Elche waren scheuer. Hier hieß es: Motor abstellen, Schritt für Schritt nähern, die Kamera im Anschlag. Ein Schneepflugfahrer hielt bei einem dieser Fotostopps neben uns, ließ sein Seitenfenster herunter und stellte mit einem Kopfschütteln fest: »You must be Germans! Wer sonst kommt auf die Idee, hier im Winter Motorrad zu fahren?« Recht hatte er.

PANNEN UND GASTFREUNDSCHAFT

Kurz vor Whitehorse erwischte mich ein platter Reifen. 25 Kilometer waren es bis zur nächsten Werkstatt. Die Mechaniker von Yukon Yamaha kannten uns schon von 2022 und konnten kaum glauben, dass wieder dieselben »verrückten Deutschen« mitten im Winter auftauchten. Auf dem Rückweg hatte dann auch Alex einen Platten, und wir wurden erneut wie Familienmitglieder empfangen.

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Für ein paar Tage mieteten wir uns auf einer Hundefarm ein, lebten in einer Blockhütte und teilten den Alltag mit den ausgemusterten Schlittenhunden. Je kälter es wurde, desto lebendiger waren die Tiere. Für uns war es eine kleine Verschnaufpause – bevor der härteste Teil der Reise begann.

IM STURM GEFANGEN

Ab Dawson City zeigte das Thermometer kaum noch Werte über minus 30 Grad. Von hier führte uns der Dempster Highway weiter nach Eagle Plains, der letzten Tankstelle vor Inuvik. Kurz danach beginnt das berüchtigte Hurricane Valley, wo nicht selten Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 km/h herrschen. Wir saßen drei Tage fest, ehe die Straße freigegeben wurde. Im Konvoi ging es durch die Schneeverwehungen – immer in dem Wissen, dass hinter uns die Straße sofort wieder gesperrt würde.

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In Inuvik empfing uns der Bürgermeister persönlich. Unsere Tour hatte sich herumgesprochen. Doch auch hier hieß es: Warten. Blizzard, gesperrte Straßen, gesundheitliche Probleme bei Alex. Erst als die Wetterlage sich beruhigte, wagten wir den letzten Abschnitt nach Tuktoyaktuk.

»ROBUSTER, VIELSEITIGER UND KOMFORTABLER MOTORRADANZUG«

Alexander »Alyx« Guth über den Touratech Compañero Ultimate im Extremeinsatz in der kanadischen Arktis:

Die Passform überzeugte trotz zusätzlicher Thermo-Unterwäsche: Selbst mit mehreren Lagen blieb der Sitz stabil, Protektoren verrutschten nicht. Komfort spielte auch abseits der Fahrt eine Rolle – während Wartezeiten im Blizzard bot die Kombi ausreichend Schutz, um sich darin auszuruhen. Gefertigt aus GORE-TEX Pro und Armacor, widerstand der Anzug Schnee, Eis, Straßensalz und Stürzen. Trotz intensiver Belastung zeigte das Material keinen Verschleiß. Der helle Stoff verschmutzt zwar schnell, punktet jedoch im Sommer durch Hitzereflektion.

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In puncto Sicherheit bewährte sich die Ausstattung: Auch bei Stürzen auf Eis blieben alle Protektoren zuverlässig an Ort und Stelle. Die Belüftung funktionierte selbst bei wechselnder Witterung. Mit geöffneten Reißverschlüssen zeigte sich der Anzug ausreichend ventiliert, was den Einsatzbereich weit über arktische Gefilde hinaus erweitert. Fazit: Der Touratech Compañero Ultimate überzeugte im Dauereinsatz als robuster, vielseitiger und komfortabler Motorradanzug. Wer extreme Touren plant, findet hier ein Outfit, das den Belastungen standhält und ein hohes Maß an Sicherheit und Alltagstauglichkeit bietet.

Detaillierte Infos unter:

www.touratech.de/fahrerausstattung/motorradbekleidung/companeroultimate.html

ENDLICH AM ZIEL

148 Kilometer trennten uns noch vom Arktischen Meer. Es wurde der kälteste Fahrtag der Reise: Minus 38 Grad. Als wir endlich vor dem Ortsschild standen, fiel die Anspannung von uns ab. Nur ein paar schnelle Fotos – länger konnten wir uns der Kälte nicht aussetzen, und suchten Zuflucht in der Tankstelle, wo wir einen heißen Kaffee bekamen.

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Auf dem Rückweg nach Inuvik leisteten wir uns beide einen »Umfaller«. Das Aufrichten der Motorräder kostete angesichts der Kälte deutlich mehr Kraft als gedacht. Am Abend sank ich nach einer heißen Dusche ins Bett – und schlief durch bis zum nächsten Nachmittag.

ZURÜCK IN DIE WÄRME

Auch der Rückweg verlangte uns Geduld ab. Noch einmal mehrere Tage Blizzard in Eagle Plains, dann endlich die Fahrt zurück nach Süden. Mit jedem Kilometer stiegen die Temperaturen, und mit ihnen stieg die Gewissheit: Wir hatten es geschafft.

FAZIT

Diese Reise hat mich Demut gelehrt. Die Kälte kostet unglaublich viel Kraft, macht jeden Handgriff mühsam. Doch der Moment in Tuktoyaktuk, die Begegnungen mit den Bisons, die unglaubliche Gastfreundschaft unterwegs – all das wiegt jede Strapaze auf. Und wenn mich heute jemand fragt, warum man so etwas Verrücktes überhaupt macht, dann denke ich an den Schneepflugfahrer, der uns zurief: »You must be Germans!« – und genau das trifft es wohl am besten.

VORBEREITUNG UND TECHNIK

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FAHRERAUSSTATTUNG
  • Helm: Schneemobilhelm CKX Mission Electric mit beheizbarem Visier und Atemmaske
  • Anzug: Touratech Compañero Ultimate, wind- und wasserdicht, mit Protektoren
  • Stiefel: Schneemobilstiefel
  • Darunter: Merinowolle, Daunenjacke
MOTORRÄDER

BMW Motorrad Kanada stellte zwei F 900 GS bereit, ausgerüstet mit Zubehör von Touratech und anderen Anbietern.

Die wichtigsten Modifikationen im Überblick

  • Touratech Lenkererhöhung
  • Schnorchelfilter an der Airbox, um Eis und Schnee fernzuhalten
  • Touratech Zega Evo X Sondersystem
  • Touratech Kofferdeckeltasche Extreme Edition
  • Touratech Suspension Lenkungsdämpfer (der serienmäßig verbaute war nicht einstellbar und daher für die extreme Kälte ungeeignet).
  • Clearwater lights LED Model Darla (dimmbar)
  • Lenkerstulpen, um Wind, Kälte und Nässe von den Händen fernzuhalten
  • Wärmepad am Ölkühler hält das Motoröl geschmeidig (kann im Hotel aufgeladen werden)
  • Reifen von Shinko (804 vorne, 805 hinten). Diese Reifen haben eine etwas weichere Gummimischung, was auch den Reifenwechsel vereinfacht. Zudem ist durch die Stollentiefe die Gefahr minimiert, dass sich die Spikes durchdrücken. Das grobe Profil reinigt sich beim Fahren auf losem Schnee selbst
  • Spikes. Insgesamt haben wir ca. 700 Spikes in den Längen 2, 4 und 5 Millimeter pro Motorrad verbaut, 500 am Hinterrad und 200 am Vorderrad.
  • Tausch des Getriebeöls gegen ein Spezialöl für Schneemobile in der Viskosität 0 – 40 (Wintermischung)
  • Kühlflüssigkeit mit 60 Prozent Anteil Frostschutzmittel
ROUTE

Die Strecke führte von Calgary über Whitehorse nach Dawson City und weiter auf dem Dempster Highway bis nach Tuktoyaktuk am Arktischen Ozean. Wir fuhren durchgehend auf geräumten Hauptverbindungsstraßen, da Nebenstraßen im Winter unpassierbar sind.

VERSORGUNG & ÜBERNACHTUNG

Übernachtet haben wir überwiegend in Lodges und Hotels, vereinzelt auch im Zelt mit Expeditionsschlafsäcken (Komfortbereich bis –30 °C) und speziellen selbstaufblasbaren Isomatten. Wasser (auch für die Zubereitung von Trekkingnahrung) hielten wir in Thermoskannen flüssig. Abends half manchmal auch ein »Jägermeister on the Rocks« gegen die Kälte.

FAHRTECHNIK
  • Spikes erlauben zwar das Fahren auf Eis, erfordern aber sanftes Gasgeben und vorsichtige Bremsmanöver
  • Vorausschauend fahren
  • Vorderradbremse nur sparsam einsetzen, lange Bremswege einkalkulieren
  • Zum Abstellen Überzieh-Spikes für die Stiefel nutzen – um Stürze auf blankem Eis zu vermeiden
  • Position der Bedienelemente am Lenker gut einprägen – diese sind wegen der Stulpen nicht sichtbar und mit den dicken Handschuhen schwierig zu ertasten.


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