Making of: ACT France
ReiseACT FranceTravel Time 2026-01

Making of: ACT France

Wie entsteht eigentlich ein Adventure Country Track? Am Beispiel von ACT France zeigen wir, wie viel Planung, Recherche, Scouting und Büroarbeit hinter einer legal befahrbaren Offroad-Route steckt. Rund 970 Kilometer führt die Strecke durch Südfrankreich – von der Ardèche bis an die Pyrenäen. Doch bevor Reiseenduros hier unterwegs sein können, müssen unzählige Kilometer gefahren, Wege überprüft und rechtliche Fragen geklärt werden.

Reiseenduros auf einer Schotterpiste von ACT France in Südfrankreich
ACT France: rund 970 Kilometer von der Ardèche bis an die Pyrenäen · Foto: Anton Brey und Alex Pohl

ACT France in Bildern

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Adventure Country Tracks: Abenteuer auf legalen Wegen

Die Idee hinter den Adventure Country Tracks (ACT) ist einfach formuliert: Legale und dauerhaft befahrbare Routen für Reiseenduros sollen durch landschaftlich interessante Regionen Europas führen. Dabei geht es nicht nur um möglichst viele Kilometer auf Schotter. Die Tracks sollen Fahrspaß mit touristischen Erlebnissen verbinden und gleichzeitig Rücksicht auf Natur und Anwohner nehmen. Jeder neue ACT folgt diesen Grundsätzen. Der Weg von der ersten Idee bis zur fertigen Route ist allerdings ein aufwendiger Prozess.

Für 2026 stand Frankreich auf dem Programm. Das Land bietet für eine Reiseenduro-Tour eine große landschaftliche Vielfalt – von den Alpen über das Zentralmassiv bis zu den Pyrenäen. Gleichzeitig ist Frankreich für Offroadfahrer eine besondere Herausforderung. Wege können saisonal oder regional gesperrt sein, Forst- und Brandschutzauflagen ändern sich kurzfristig und nicht jeder auf einer Karte eingezeichnete Weg darf tatsächlich mit dem Motorrad befahren werden.

ACT France sollte deshalb nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern vor allem rechtlich belastbar und langfristig nutzbar sein.

ACT France: Planung unter Zeitdruck

Die Projektleitung übernahm der britische Motorradjournalist und Routenexperte Jonathan Bentman. Er war bereits an ACT Portugal und ACT UK beteiligt und verantwortete bei ACT France die Gesamtplanung, koordinierte die französischen Mitglieder des Vereins ACT e.V. und war für die finale Freigabe der Route verantwortlich.

Viel Zeit blieb nicht. Der Auftrag kam im Januar 2025, bereits im Spätsommer sollte die Strecke filmreif sein. Innerhalb von rund acht Monaten musste aus der ersten Idee eine komplette ACT-Route werden.

Das bedeutete: Kartenmaterial auswerten, mögliche Strecken identifizieren, lokale Informationen zusammentragen, Scouts koordinieren und anschließend immer wieder selbst ins Gelände fahren.

Von der Ardèche bis zu den Pyrenäen

Mit dem Ziel, die bestehende ACT-Route durch die Pyrenäen zu erreichen, wurde ACT France von Osten nach Westen geplant – vom Rand des Zentralmassivs bis zum katalanischen Grenzgebiet.

Die Route verbindet unterschiedliche Landschaftsräume und Kulturen. Auf dem Weg liegen unter anderem die Basaltlandschaften der Ardèche, die Canyons der Cevennen und die kargen Hochflächen des Haut-Languedoc.

Für Adventure Rider bietet die Region eine abwechslungsreiche Mischung aus kurvigen Asphaltstraßen, legal befahrbaren Naturpisten und alten Militärwegen. Gleichzeitig ist die Gegend teilweise dünn besiedelt, verfügt aber über eine ausreichende touristische Infrastruktur.

Das Ergebnis sollte eine Route sein, die nicht auf möglichst hohes Tempo ausgelegt ist, sondern auf das Entdecken der Landschaft.

ChecklisteCheckliste ACT France+

Hier findet ihr wertvolle Tipps, mit welchem Equipment ihr Bike und Fahrerausstattung für eine anspruchsvolle Offroadreise komplettiert.

Motorrad

Protektoren

Gepäck

Fahrwerk

Fahrerausstattung

Helme

Anzug

Lokale Scouts statt Planung am Schreibtisch

Eine Besonderheit von ACT France war die intensive Beteiligung der französischen ACT-Mitglieder. Nach einem Aufruf meldeten sich rund 30 französische Adventure Rider. Zehn von ihnen wurden schließlich Teil der Kernmannschaft. Sie übernahmen einzelne Streckenabschnitte, prüften die rechtlichen Rahmenbedingungen und führten Scoutingtouren durch.

Koordiniert wurde die Arbeit von Stéphane Bouvet. Gemeinsam mit Marco Fasano, Thierry Bodet, Johane Bonnet, Cedric Julien und Dominique Le Levier wurden die fünf Etappen geplant, dokumentiert und mehrfach abgefahren. Dabei galt eine klare Priorität: Rechtssicherheit vor Abenteuerlust.

Jeder Abschnitt musste überprüft werden. Beschilderungen wurden kontrolliert, rechtliche Fragen gegebenenfalls mit Behörden geklärt und temporäre Sperrungen berücksichtigt. Gerade die Waldbrandgefahr kann in Frankreich dazu führen, dass Strecken kurzfristig nicht befahrbar sind.

970 Kilometer, rund 20 Prozent unbefestigte Wege

Im Mai 2025 stand die erste komplette Version von ACT France. Die Route war rund 970 Kilometer lang, etwa ein Fünftel davon verlief auf unbefestigten Wegen.

Gemessen an der Fahrzeit liegt der Offroadanteil bei etwa 35 bis 40 Prozent. Das ist typisch für das ACT-Konzept: Es geht nicht um eine Rallye, sondern um eine abwechslungsreiche Motorradreise mit einem hohen Anteil an legal befahrbaren Natur- und Schotterwegen.

Das erste Gesamtscouting bestätigte die grundsätzliche Eignung der Strecke. Gleichzeitig zeigte sich, dass auch eine sorgfältig vorbereitete Route immer wieder angepasst werden muss.

Forstwirtschaftliche Sperrungen machten ebenso Änderungen erforderlich wie unerwartete Situationen im Gelände. In den Ausläufern der Monts de Lacaune beispielsweise endete ein auf Karten eindeutig eingezeichneter Weg plötzlich im Gelände. Für die Scouts heißt das: umdrehen, Alternativen suchen und die Route neu planen.

ACT France und die französische Bürokratie

Die Entwicklung eines Adventure Country Tracks findet nicht nur im Gelände statt. Digitale Karten, Satellitenbilder, regionale Informationen und GPS-Daten bilden die Grundlage für die Planung. Ob eine Strecke tatsächlich befahrbar ist, entscheidet sich aber erst vor Ort.

Frankreich unterscheidet unter anderem zwischen „chemins communaux“, „routes forestières“ und „sentiers“. Während Gemeindestraßen grundsätzlich befahrbar sind, können für Forst- und Privatwege zusätzliche Genehmigungen erforderlich sein. Dazu kommen zeitlich begrenzte Sperrungen.

Lokale Kenntnisse sind deshalb unverzichtbar. Ohne ortskundige Scouts lassen sich legale und zugleich dauerhaft nutzbare Offroad-Routen kaum entwickeln.

Eine hundertprozentige Rechtssicherheit für alle zukünftigen Situationen kann niemand garantieren. Entscheidend ist deshalb, dass jedes einzelne Teilstück nach bestem aktuellem Kenntnisstand geprüft und dokumentiert wird.

Vom Scouting zur fertigen GPX-Route

Ist die Strecke festgelegt, beginnt die nächste Phase: die Dokumentation. Jeder ACT wird mit einem professionell produzierten Film vorgestellt. ACT France wurde dafür zunächst mit einem Geländewagen vorerkundet. Kameramann Manuel suchte geeignete Drehorte und fertigte erste Landschafts- und Drohnenaufnahmen an. Im September 2025 folgte die eigentliche Filmfahrt. Zwei Kameraleute, zwei Fotografen und mehrere Fahrer machten sich mit ihren Adventure Bikes auf den Weg.

Die Filmfahrt hatte dabei eine wichtige Funktion, die über die spätere Präsentation hinausging: Sie diente als letzter Praxistest der Route.

Die GPX-Daten der Planung wurden mit der tatsächlich gefahrenen Route abgeglichen. Unklare Abzweigungen, ausgewaschene Wege oder Abweichungen von der geplanten Strecke konnten so erkannt und vor der Veröffentlichung korrigiert werden.

Ein ACT ist eine „lebende Route“

Mit der Veröffentlichung ist die Arbeit an einem Adventure Country Track jedoch nicht abgeschlossen. Jeder ACT ist eine „lebende Route“. Sperrungen, Baustellen, Schäden an Wegen oder Konflikte mit Anwohnern können jederzeit Änderungen erforderlich machen. Die jeweiligen Landesgruppen erfassen solche Veränderungen und melden sie an das zentrale ACT Board.

In Frankreich arbeitet ACT zudem eng mit Codever (Collectif de Défense des Loisirs Verts) zusammen. Die Organisation vertritt die Interessen von Geländefahrern und setzt sich für den Erhalt legal befahrbarer Wege ein.

Für die Fahrer bedeutet das: Die Verantwortung endet nicht mit dem Download eines GPX-Tracks. Wer einen ACT befährt, trägt selbst dazu bei, dass die Route auch in Zukunft bestehen kann. Niedrige Drehzahlen in Ortschaften, möglichst wenig Lärm im Wald und keine Abkürzungen über Wiesen oder gesperrte Flächen sind keine Nebensächlichkeiten. Sie entscheiden mit darüber, ob eine Strecke dauerhaft genutzt werden darf.

Für Reiseenduros unterschiedlicher Klassen

ACT France wurde für Adventure Bikes verschiedener Klassen entwickelt. Das Team testete die Strecke deshalb sowohl mit leichteren Motorrädern wie der BMW F 900 GS als auch mit voll ausgerüsteten Reiseenduros wie der BMW R 1250 GS Adventure mit Koffern und Topcase.

Die meisten Abschnitte sind leicht bis mittelschwer. Drei Passagen verlangen allerdings besondere Aufmerksamkeit: Ein steiniger Anstieg mit engen Kehren am ersten Tag sowie zwei Abfahrten mit losem Untergrund an den Tagen drei und fünf. Je nach Etappe beträgt der Schotteranteil zwischen 16 und 26 Prozent.

Damit richtet sich ACT France nicht ausschließlich an erfahrene Offroadfahrer. Auch weniger geübte Reiseenduristen können die Strecke bewältigen, sofern sie ihr Tempo den Bedingungen anpassen und entsprechend umsichtig unterwegs sind.

ACT France – Die Fakten

Gesamtlänge
970 km
Offroadanteil
20 % (entspricht 35–40 % der Fahrdauer)
Schwierigkeitsgrad
Meist einfach bis mittelschwer (drei Abschnitte erfordern besondere Vorsicht)
Tag 1
La Riviere – Aubenas
226 km (17 % Schotter)
Tag 2
Aubenas – Sévérac
177 km (26 % Schotter)
Tag 3
Sévérac – Saint-Pons-de-Thomières
230 km (22 % Schotter)
Tag 4
Saint-Pons-de-Thomières – Saint-Paul-de-Fenouillet
212 km (16 % Schotter)
Tag 5
Saint-Paul-de-Fenouillet – Col de la Descarga
125 km (21 % Schotter)

Häufige Fragen zu ACT France und den Adventure Country Tracks

Was sind Adventure Country Tracks (ACT)?+

Adventure Country Tracks sind legal befahrbare Motorradrouten durch landschaftlich interessante Regionen Europas. Sie verbinden Offroad- und Reiseerlebnisse mit touristischen Aspekten und dem Anspruch, Natur und Anwohner zu respektieren. Die Downloads sind für Mitglieder des Vereins kostenlos erhältlich.

Was ist die Organisation Adventure Country Tracks (ACT) und kann man Mitglied werden?+

Adventure Country Tracks (ACT) ist ein eingetragener Verein, der sich für legale und nachhaltig befahrbare Offroadstrecken für Adventure Bikes in Europa einsetzt. Grundsätzlich kann jeder Mitglied im Adventure Country Tracks e.V. werden. Die günstigste Mitgliedschaft ist die Bronze-Mitgliedschaft für 11,88 Euro pro Jahr – das entspricht 99 Cent pro Monat. Mitglieder unterstützen damit unter anderem die Pflege und Aktualisierung der Tracks sowie die Arbeit des Vereins.

Was ist ACT France?+

ACT France ist eine rund 970 Kilometer lange Reiseenduro-Route in Frankreich. Sie führt vom Rand des Zentralmassivs bis zum katalanischen Grenzgebiet und besteht aus asphaltierten Straßen sowie legal befahrbaren Natur- und Schotterwegen. Die fünf Etappen sind jeweils zwischen 125 und 230 Kilometer lang.

Wie hoch ist der Offroadanteil bei ACT France?+

Rund 20 Prozent der Gesamtstrecke verlaufen auf unbefestigten Wegen. Bezogen auf die Fahrzeit liegt der Offroadanteil bei etwa 35 bis 40 Prozent. Je nach Etappe beträgt der Schotteranteil zwischen 16 und 26 Prozent.

Wie schwierig ist ACT France?+

Die Route ist überwiegend leicht bis mittelschwer. Drei Abschnitte erfordern besondere Aufmerksamkeit: Ein steiniger Anstieg mit engen Kehren sowie zwei Abfahrten mit losem Untergrund. Die Strecke wurde auch mit großen, voll ausgerüsteten Reiseenduros getestet.

Welche Motorräder eignen sich für ACT France?+

ACT France wurde für Adventure Bikes verschiedener Klassen entwickelt. Getestet wurde die Route unter anderem mit der BMW F 900 GS und der BMW R 1250 GS Adventure mit Koffern und Topcase.

Ist ACT France legal befahrbar?+

Die ACT-Routen werden mit besonderem Augenmerk auf die rechtlichen Rahmenbedingungen entwickelt. Die einzelnen Streckenabschnitte werden überprüft und dokumentiert. Allerdings können sich lokale Regelungen, Sperrungen oder Forst- und Brandschutzauflagen ändern. Deshalb muss stets die aktuelle Situation vor Ort berücksichtigt werden.

Wird ACT France nach der Veröffentlichung noch aktualisiert?+

Ja. Ein ACT wird als „lebende Route“ verstanden. Sperrungen, Baustellen, Streckenschäden oder lokale Konflikte können Anpassungen erforderlich machen. Solche Veränderungen werden von den zuständigen Landesgruppen erfasst und an das zentrale ACT Board gemeldet.

Was sollte ich beim Befahren von ACT France beachten?+

Wer ACT France befährt, sollte sich an die geltenden Regeln halten, Sperrungen respektieren und Rücksicht auf Natur und Anwohner nehmen. Dazu gehören unter anderem angepasstes Tempo und niedrige Drehzahlen in Ortschaften, möglichst wenig Lärm im Wald sowie das Vermeiden nicht freigegebener Abkürzungen.

Wie wurde die Route von ACT France getestet?+

Nach der Planung wurde die Route mehrfach abgefahren. Die finale Filmfahrt im September 2025 diente zusätzlich als Praxistest der GPX-Daten. Abweichungen zwischen geplanter Route und tatsächlicher Fahrspur konnten dabei dokumentiert und korrigiert werden.

Adventure Country Tracks

Gut ausgerüstet auf ACT France

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